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M15A Entzerrung

Alles zum Thema "Fragen und Technik" bei professionellen Studio- und Tonbandgeräten der Firma Telefunken

Moderator: Administratoren


Beitrag Samstag 2. Februar 2008, 14:35
Sascha Routiner
Routiner

Beiträge: 31
Wohnort: Hameln
Hallo,
ich bin hier neu und hätte einmal eine Frage bezüglich meiner M15A.
Kann ich davon ausgehen, dass meine Stereo Maschine CCIR entzerrt ist, wenn keine externe Auswahl möglich ist???

Schönen Dank für eure Mühe

Grüße
Sascha
Long live Analog

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Beitrag Samstag 2. Februar 2008, 23:40
PhonoMax Haudegen
Haudegen

Beiträge: 257
Wohnort: München
Lieber Sascha,

die M15a hatte als typisch deutsche Rundfunkmaschine regulärerweise Entzerrungen nach CCIR, also 35 und 70 µs; bei 76 wurden in erster Linie 17,5 µs, gemäß Empfehlung der AES angeboten, obgleich die erste 'große' Normierung der Entzerrung für 76 auf 35 µs gelautet hatte. Dass die Reichsrundfunkgesellschaft wahrscheinlich zwischen 18 und 24 µs entzerrte, spielt dabei ja eher eine geringe Rolle.

Aber die nab-genormten 3180+50µs (für 19 und 38 gleichermaßen) gab es natürlich genauso, ja selbst zwischen NAB und CCIR umschaltbare Verstärker waren "auf Wunsch" bei williger Löhnung auf Seiten des Kunden von der Stange lieferbar.
Sofern man keine elektrisch umschaltbare Version erworben hatte, erfolgte eine Umstellung üblicherweise durch Aufsteckbausteine, die im M15a-Handbuch auch angesprochen werden.

Die statistische Wahrscheinlichkeit ist aber hoch, dass deine Maschine mit 35 und 70 µs arbeitet. Insbesondere, wenn ihr Schmetterlingsköpfe eigen sind, bleibt eigentlich fast keine andere Möglichkeit, als dass sie durch CCIR-Wasser schippert. Nachdem die Umstellung aber vergleichsweise leicht fiel, Gerätevorgeschichten dem heutigen Käufer nicht (oder wenn doch, oftmals abteuerlich falsch) mitgeteilt werden, müsste man zur Gewinnung letzter Sicherheit vielleicht doch nachmessen oder den Platinenaufdruck der Huckepackbausteine nachsehen.

Hans-Joachim

Beitrag Sonntag 3. Februar 2008, 00:28
Sascha Routiner
Routiner

Beiträge: 31
Wohnort: Hameln
Guten Abend Hans-Joachim,
ja ich vermutete auch, das die Maschine CCIR entzerrt und Schmetterlingsköpfe hat sie auch. Ich werde es erst einmal so hinnehmen und bei der nächsten Überholung werde ich mal die Karten begutachten.
Aber was mich jetzt noch interessieren würde, warum ist Nab nicht mit Schmetterlingsköpfen möglich???
Erstmal recht herzlichen Dank!

Schönen Abend und Gruß
Sascha
Long live Analog

Beitrag Sonntag 3. Februar 2008, 02:17
PhonoMax Haudegen
Haudegen

Beiträge: 257
Wohnort: München
Lieber Sascha,

deine Frage ist fast symptomatisch für die im Blickwinkel eines Liebhabers alter Technik regelmäßig auftretende 'Verschärfung' von Standpunkten derer, die mit der Sache zu tun hatten (vulgo: "Profis"), aber vielleicht etwas leichtfertig mit ihrem Jargon um sich warfen (das galt jetzt mir...).

Meine Aussage oben hatte nichts mit "möglich" oder "unmöglich" zu tun, sondern nur mit einer historischen Koinzidenz oder Korrelation: NAB ist in den USA zuhause, und das aus guten historischen Gründen. Schmetterlingsköpfe sind ein Produkt der rundfunkstereofonen Produktionsvorstellungen primär in Deutschland, und das aus guten, historisch nachvollziehbaren Gründen. Rundfunk in den USA war einmal etwas völlig anderes als der Rundfunk hier. Heute haben wir uns dem zwar angepasst, was dem Rundfunkmachen hierzulande aber überhaupt nicht bekommen ist (gebe ich als Halbamerikaner mit einschlägiger Berufserfahrung in den USA zu bedenken).

Es gibt und gab in den USA Bandmaschinen mit Schmetterlingsköpfen; nahezu unumstößliches Betriebsprinzip wie beim hiesigen Rundfunk, der nur in begründeten Sonderfällen zweikanalige Magnetofone mit 2+2mm-Spuren und 2 mm Rasen betrieb, ansonsten grundsätzlich mit Schmetterlingskopfanlagen arbeitete, waren diese Anlagen außerhalb Zentraleuropas nie. Das heißt: Wenn Schmetterlingskopfanlage, dann riecht das immer sehr intensiv nach zentraleuropäischer, ja deutscher Musikproduktion des Rundfunks oder seiner assoziierten, hiesigen Zuträgerindustrie. Hat man es dann noch mit einer M15a zu tun, befinden wir uns erst recht in diesen Traditionskanälen, in denen unter den besagten Umständen für NAB wenig Platz ist. Also -wenn nicht Spezialentzerrung "stereo" nach ARD (die gab es nämlich auch, setzte sich aber nicht durch)- so ist auf jeden Fall mit CCIR/35 µs zu rechnen.

Natürlich gab es im stark aus Traditionen geformten Magnetbandgerätewesen wieder einmal Vorkämpfer für das Schmetterlingsverfahren, denn die oben bereits erwähnte Reichsrundfunkgesellschaft verwendete für ihre Magnetbandstereos (ja, die gab es, bzw. ein paar davon gibt es selbst heute noch) nicht etwa 2+2+2mm-Köpfe, sondern 2,5+1,5+2,5-mm Köpfe, was damals allerdings nicht mit einer angestrebten Monopegelkompatibilität, sondern vielmehr dem begrenzten Geräuschspannungsabstand der verwendeten Bandmaterialien begründet wurde. Man benötigte eben noch jeden halben Millimeter Spurbreite, um pro Kanal die 40-dB-Marke einigermaßen zuverlässig zu überrunden. Mit zwei Millimetern Spurbreite wäre man wohl darunter geblieben, obgleich der subjektiv empfundene Geräuschspannungsabstand dieser ersten Magnetbandstereos der Welt deutlich über 45 dB (pro Kanal) liegt. Übrigens werden die ältesten erhaltenen dieser Aufnahmen im laufenden Jahr 2008 65 Jahre alt, während die zugehörige Mikrofonbauart Georg Neumanns sich zum Achtzigsten rüstet.

Wir haben hier im Forum schon mehrmals zur Schmetterlingsfrage diskutiert, wo ich auch die Entstehung dieser komplizierten und teuren Kopfbauart über die Stereofonisierung des hiesigen Rundfunks nachgezeichnet habe. Wenn dich das interessiert, suche einfach danach. Die Beschäftigung mit den vielfältigen, interessant gelösten "Sachzwängen" des technologisch und kulturgeschichtlich grandiosen Wurfes 'Hf-Magnetofon' über 65 Jahre ist lohnend.
Ansonsten kannst du natürlich auch innerhalb der laufenden Diskussion nachbohren.

Hans-Joachim

Beitrag Sonntag 3. Februar 2008, 20:29
Sascha Routiner
Routiner

Beiträge: 31
Wohnort: Hameln
Nabend Hans-Joachim,
vielen Dank für Deine Ausführlichen Erklärungen. Das hilft mir schon sehr viel weiter und ich werde auch mal im Forum nach dem passenden Thema schauen. Denn dann brauchst du nicht noch einmal alles zu schreiben.
Aber ich denke genauso, auch wenn es Maschinen mit NAB Entzerrung geben sollte, dürfte die Wahrscheinlichkeit bei einer M15 doch sehr gering ausfallen.
Es geht eigentlich hauptsächlich darum, die Aufnahmen meiner Maschinen untereinander kompatibel zu machen. Denn wie du es schon richtig angesprochen hast, kann man manche Fragen bei gebrauchten Geräten nicht ohne weiteres klärten. Auch bei Telefunken finde ich leider außer einem M15A Typenschild leider rein gar nichts auf der Außenhaut. Aber um wirklich sicher zu sein, kann ich ja bei einer eventuell anstehenden Reparatur einmal darauf achten.
Ich bedanke mich aber trotzdem schon einmal für deine Mühe!!

Einen Schönen Abend noch und beste Grüße

Sascha
Long live Analog

Beitrag Sonntag 22. Februar 2009, 19:31
Ferrum Eroberer
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Beiträge: 22
Außerdem kannst Du - aber ich bin mit diesem Modell noch nicht sonderlich vertraut - die Verstärker nach Bedarf auf NAB oder CCIR einstellen. Du brauchst also keine anderen Platinen. Es gibt sogar Verstärkerplatinen, die über den Fernsteuersatz zwischen NAB und CCIR umschaltbar sind. Sollte Deine Maschine übrigens über die deutsche Schichtlage verfügen, dann kannst Du sicher blind darauf wetten, dass sie auf CCIR eingestellt ist.

Beitrag Freitag 6. April 2012, 15:23
cavemaen Benutzeravatar
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... habe gerade beim Stöbern diesen uralten Artikel gefunden und füge zur Info hinzu, dass es neben den "Steckplatinchen" für NAB / CCIR-Umschaltung auch welche für Mono / Stereoumschaltung gab (Bedienung über Kopfträger-Drehschalter) und das man statt dieser Kärtchen auch Reiter zur Programmierung stecken konnte.
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Beitrag Sonntag 8. April 2012, 18:22
revfan Lebende Forenlegende
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Beiträge: 670
Hallo Rudy,
nochmal nur zum Verständnis:

wenn ich bei meiner M15a - was ich allerdings nicht vorhabe - nur mal so das Mono/Stereo Umsteckkärtchen abnehme und die Jumper anbringe, wie angezeichnet, hätte ich eine NAB Aufnahme Entzerrung ? Man müsste dann doch auch Wiedergabeseitig etwas ändern ?

revfan

Beitrag Montag 9. April 2012, 14:09
cavemaen Benutzeravatar
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Wohnort: 34582 Borken / Hessen
Ja, es gibt abba auch Huckepack-Platinchen, welche die NAB / CCIR-Umschaltung machen.

Dazu muß im Kopfträger der Drehschalter drin sein, ansonsten rate ich davon ab.

Die Steckkärtchen sind nicht billig und der Unterschied beim Abspielen von NAB-Bändern mit der M15A ergibt einen Höhenanstieg, den man am Mischpult runterschraubt - färdich.

Wichtiger ist einfach die Tatsache, dass NAB bespielte Bänder in Zweispurtechnik, also mit 2mm Trennspur aufgenommen wurden.

Wenn solche Bänder mit einem 0,75mm Schmetterlingskopf abgetastet wird, nimmt man ungewollt einen Teil des ungelöschten Mittelrasens mit, was zu erheblichen Rauschen führt, ja es kann sogar bei einem ehemals in Vollspur-Mono aufgenommenen Band auf der Mittelspur ungelöschte Modulation drauf sein!

Die englische BBC kaufte auch Telefunken M15A mit Vollspurlöschung und 0,75mm Schmetterlingskopf für Aufnahme, aber als Wiedergabekopf steckt einer mit 2mm Trennspur drin, um auf jeden Fall auf der sicheren Seite zu sein.

Du habbe wolle?

Rudy
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Beitrag Montag 9. April 2012, 14:22
cavemaen Benutzeravatar
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Beiträge: 2496
Wohnort: 34582 Borken / Hessen
Hier eine Spurenliste zum Vergleich der früher auf dem Markt befindlichen Spuren diverser Tonköpfe in Viertelzoll.

Könnt Ihr Euch runterladen...

Rudy
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Beitrag Dienstag 10. April 2012, 20:00
cavemaen Benutzeravatar
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Wohnort: 34582 Borken / Hessen
Nachtrag:

NAB heißt: National Amerikan Broadcast.

Aufgrund der kleinen Bauweise von Heimtonbandgeräten kam es damals vor, dass ein 50Hz Netzbrummen vom Trafo und der Motoren in den Wiedergabetonkopf eintrat und hörbar wurde.

Man bemächtigte sich folgenden Trick:

Im Wiedergabebereich senkte man die tieferen Frequenzen und glich den Verlust bei der Aufnahme wieder aus.

Das brauchte man bei professionellen Studiogeräten nicht, da die Maschinen mehr Platz haben, die Motoren weiter auseinander liegen und der Netztrafo mit Mu-Metall geschirmt ist.

Weitere Details zum Omegagang und der Zeitkonstanten mit 35 - 70 oder 90 my und Frequenzverhalten im Magnetfeld der Kopfspalte erübrige ich mir mal, das würde zu wissenschaftlich.

Zum Thema deutsche und internationale Schichtlage habe ich schon berichtet.

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