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Telefunken Telcom c4

Technische Informationen und Diskussionen rund um Rauschunterdrückungssysteme verschiedener Hersteller (Telcom, Dolby, etc.).

Moderator: Administratoren


Beitrag Dienstag 9. September 2008, 18:35
BtausD Benutzeravatar
Eroberer
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Guten Abend,
Ich betreibe meine Telef. M15A
sehr erfolgreich in Verbindung mit einem Telcom c4.
Wer kann mir bitte erklären, warum der Bandfluss von 514 auf 320nWb/m zurückgenommen wurde? Ist diese Regelung nur bei den Rundfunkanstalten oder auch in Tonstudios gebräuchlich?
Im voraus Dank für die Beantwortung meiner Frage!

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Beitrag Mittwoch 10. September 2008, 07:01
PhonoMax Haudegen
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Lieber BT aus D,

von "müssen" kann hier kein Rede sein, du darfst, du kannst. Bedenke, dass bei professionellen Magnetophonen der üblicherweise via Telcom nachgewiesene Geräuschspannungsabstand an fast abeteuerliche 100 dB heranreicht. Das ist mehr als gemeinhin in der Produktionbstechnik mit Mikrofonaufnahmen erzielbar ist. Der Klirrfaktor indes erreicht dann, wenn bis 514 nWb/m ausgesteuert wird, asuch bei neuzeitlichstem Magnetbandnoch immer die bekannten reichlich 1 %, die doch deutlicher über der Spezifikation professioneller Mikrofonverstärker liegen. Und da kann man etwas tun, indem man die Aussteuerung um einige dB zurücknimmt. Genau dies geschieht, wenn man die Bandmaschine nurmehr bis 320 nWb/m aussteuert. Man kann dann mit den entsprechenden MIkrofonen den von den Verstärkern geforderten 0,1% nahe kommen.

Bei den Telcoms gibt es hierfür ein interessantes kompromissmäßiges Einrichtungsverfahren, das dergestalt läuft, die EIngangs des Aufnahme-elcom auf 1,55 V zu belassen, den dabei aber auftretenden Schnittstellenpegel zur Bandmaschine auf 0,96 V (-4,1 dB) zu legen. Im selben Sinne ist der Eingnangspegel des Wiedergabe-Telcoms auf 0,96 V zu halten, während dabei der Ausgangspegel des Wiedergabe-Telcoms auf 1,55 V steht. Die Bandmaschine wird eingangs- wie ausgangsseitig auf 1,55 V für 514 nWb/m eingemessen. Folge dieser Maßnahme ist eine absolut normgemäße Bandmaschine (514 nWb/m) und eine absolut normgemäße Kontaktaufnahme der Telcoms mit der Umgebung, die man natürlich genauso auf 1,23 (+4 dBu) anlegen kann.

Im Forum Jürgen Heiligers (HiFi CLassic, nach Telcom und meinem Namen suchen) und auch bei den AAAlern diskutierten wir dieser Wochen über zwei ORF-Telcomgruppen, die in dieser reizvollen Weise eingerichtet waren/sind. Sobald hierbei nämlich die Telcoms in die Leitung gehen (Aufnahme- und Wiedergabe-Telcoms nicht verwechseln!) wird die Maschine automatisch zum 320er-Magnetophon, während es beim Betrieb ohne Telcom standardmäßig auf 514 nWb/m arbeitet.

Hans-Joachim aus M in D, derzeit aber in OR, wo vor alnger Zeit Ray Dolby das Licht der Welt erblickte.

Beitrag Mittwoch 10. September 2008, 19:25
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Eroberer
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Guten Abend PhonoMax,
danke für die ausführliche, aufschlussreiche Beantwortung meiner Frage!

BtausD

Beitrag Donnerstag 11. September 2008, 06:17
PhonoMax Haudegen
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Einmal abgesehen davon, dass Ray M. Dolby im Januar 1933, also vor 75 Jahren und damit langer Zeit geboren wurde, habe ich natärlich wieder wichtiges vergessen: Jede kodierte Aunahme muss einwandfrei gekennzeichnet werden, selbst wenn sie der pegelkonstanten Ansteuerung der Prozessoren nicht so unbedingt bedarf, wie das bei Dolbys Verfahren der Fall ist. Man tut gerade auch fremden Bandreproduzenten nichts weniger als einen großen Gefallen, wenn man den wirklichen VA-Pegel einer Aufzeichung mit Hilfe des Pegelgenerators der Rauschminderer aufs Band aufnimmt und das maximale Ueberfahren (meist 3 dB) zusätzlich vermerkt.

Hans-Joachim

Beitrag Dienstag 16. September 2008, 19:17
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Eroberer
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Beiträge: 22
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Guten Abend PhonoMax,
Guten Abend Forum,

ich habe Deinen Rat befolgt und zwischenzeitlich viele Deiner Werke zum Thema Telcom gesucht, gefunden und studiert.
Kompliment zu den qualifiziert und routiniert kreierten "Werken"!
Nochmal zusammenfassend zu Deinem Vorschlag vom 10.Sept. bezgl.der Aussteuerung Telcom und Bandmasch.

-die Bandmasch. wird auf übliche +6db eingemessen
-der eingangsseitige Schnittstellenpegel des Telcom wird auf +2db eingemessen
-Telcom hat die Eigenschaft, dass sich bei Überschreitung des Eingangspegels der Kompander zum Expander wandelt und das Signal um den Faktor 1,5 verstärkt. Demnach ist bei Vollaussteuerung ein um 2db übersteuertes Signal auf der Bandmaschine. Während des Wiedergabevorganges läuft die Aktion umgekehrt ab und es steht am Telcom Ausgang das +6db Signal an!
-der Telcom Pegel wird zu Gunsten des niederigen Klirrfaktors auf +2db gesenkt und nicht auf dem +6db Pegel der Bandmaschine belassen.
Ist das so von einem Jungspund richtig verstanden?

Gruss Bt aus D

Beitrag Freitag 19. September 2008, 05:27
PhonoMax Haudegen
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Lieber D-ler,

so, wie ich deine Beschreibung lese, stimmt das nicht. Du erhältst deshalb von mir die notwendigen Forenadressen noch als Forenmail. Leider bin ich derzeit nicht annähernd zuhause, weshalb ich mehrheitlich nur Netzugang per Snailmail habe, womit normae Rcherchen schon recht zeitraubend werden. Der 'Forenrest' wolle mir verzeihen, dabei etwas hinten herunter zu fallen.

Dennoch noch einmal eine Kurzanleitung:

Bandmaschine: 514 nWb/m, 1,55 V, eingangs- wie ausgangsseitig.

Aufnahmetelcom:
Eingangsspannung bei Bezugspegel 1,55 V, wie meist gehabt; dabei (also auch bei Kenntonabgabe) Ausgangsspannung 0,96 V

Wiedergabe-Telcom:
Eingangsspannung 0,96 V bei Bezugspegel, dabei Ausgangsspannung (also auch bei Kenntonabgabe) 1,55 V.

Nochmals revue passieren lassen, was dabei passiert.

Hans-Joachim

P.s.: DIe Sache ließ sich schneller als erwartet hinbiegen, daher folgen die Angaben zur allgemeinen Verwendung.

http://hifi-classic.nanjoo.net/forum/in ... pic=3223.0
http://www.analog-forum.de/wbboard/inde ... adID=46684

Im Heiligerschen Forum hatten wir zwar noch andere Orte, an denen die ORF-Telcoms diskutiert wurden, ich lasse es aber -siehe oben- nun mit der Nennung der genannten Stellen bewenden.

Beitrag Freitag 19. September 2008, 21:15
Alfred Trippel As
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Hallo zusammen,

ich versuchs mal anderst zu erklären.

Mischpult, Bandgerät etc. alles auf Normpegel 1,5 Volt also +6db ausgerichtet.
Telcom Aufnahme auf Eingang +6db (vom Mischpult) Ausgang auf +2db (zum Band)
Telcom Wiedergabe Eingang (vom Band) +2db Ausgang auf +6db (z. Mischpult)

Aufnahmezweig:
Telcom vor der Maschine (Aufnahme): Telcom wird via Mischpult angesteuert mit Vollaussteuerung +6db, zum Bandgerät wird der Pegel um 4 db geringer weitergegeben. Somit wird das Bandgerät welches auf +6db vollausgesteuerung eingemessen ist, nicht vollausgesteuert. Wir kommen damit zu einem kleineren Klirr, die Bandsättigung sollte dann auch nicht mehr auftreten.
Die Telcom komprimiert ja zusätzlich mit dem Faktor 1,5 zu 1 linear db bezogen.
Wiedergabezweig:
Band war zwar um -4db niedriger ausgesteuert, die Telcom zieht den Gesamtpegel wieder hoch auf Vollausteuerung von +6db.
Hier wird natürlich wieder expandiert. Aus 2db werden 3db, aus 4db werden 6db, aus -2db werden eben -3db etc.
60db Signalumfang kommen somit nahezu auf 90db

Also steht zur Weiterverarbeitung wieder der Normpegel zur Verfügung. Der Vorteil ist dann auch, dass ohne Telcom mit dem Normpegel +6db gearbeitet werden kann.
Vielleicht entspricht meine Erläuterung nicht den Fachbegriffen, hilft aber vielleicht um es besser zu Verstehen.

Beitrag Samstag 20. September 2008, 00:24
PhonoMax Haudegen
Haudegen

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Alfred hat geschrieben:
....
Vielleicht entspricht meine Erläuterung nicht den Fachbegriffen, hilft aber vielleicht um es besser zu Verstehen.


Na, von wegen, lieber Alfred: Mitunter sehen sich Pobleme gleich wesentlich unproblematischer an, wenn sie nur durch zwei eigene Brillen betrachtet werden....

In den beiden durch Link verknüpften DIskussionen werden aber einige 'Implikaturen' behandelt, über die man sich klar werden sollte. Alfreds Anleitung kann man aber getrost ausdrucken und auf die Einschübe kleben (holla....), zumal Alfred auch noch den Blick auf die Klirrfaktorreduktion lenkt und dabei die ihrerseits günstigen Verhaltensweisen des Telcom-Verfahrens oberhalb des Bezugspegels erwähnt.

Hans-Joachim

Beitrag Samstag 20. September 2008, 21:13
BtausD Benutzeravatar
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Guten Abend PhonoMax,
Guten Abend Alfred,
Dank an einen Haudegen und einen Routinier für ihre Mühen, einem Jungspund das Halbwissen zu erweitern.
Bei den o.g. Vorschlägen wird der Bezugspegel des Telcom auf +2db festgelegt! Richtig??
UNTERHALB dieses Bezugspegels (bei unserem Beispiel +2db) wird der aufzuzeichnende Pegel um 1/3 durch den Kompander angehoben ( -60db auf -40db usw) Richtig??
OBERHALB des Bezugspegels des Telcoms (bei unserem Beispiel +2db) wird der Kompander zum Expander und das aufzuzeichnende Signal wird um den Faktoe 1,5 verstärkt! Richtig??
Wenn die v.g. Annahmen des Jungspundes richtig sind, kann das auf +6db angesteuerte Signal nicht mit +4db kodiert auf der aufnehmenden Bandmaschine sein?
Wo liegt mein Denkfehler??

(Die von PhonoMax am 19.09 genannten Forenanschriften habe ich pflichtgemäss studiert, sie gehen jedoch nicht auf die hier genannten Fragen ab wann Kompander, ab wann Expander ein).

Grüsse von Bt aus D

Beitrag Samstag 20. September 2008, 21:55
Alfred Trippel As
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Hallo,

ich wills nochmals mit ner vereinfachten Erklärung versuchen!
Hans-Joachim alias Phonomax kanns sicherlich fundierter!

Der Bezugspegel +2 db gilt nur zwischen Telcom und Band.
Bei dem Weg von der Telcom zum Band wird der Bezugspegel von +6db auf +2db reduziert, zusätzlich greift aber noch die Komprimierung. Bei der Wiedergabe ist es anderst herum. Meines Erachtens ist ein Pegel von +4db am Mischpult mit 0db auf dem Band!?

Vereinfacht gesagt kann ein Bandgerät aufgrund seiner Eigenschaften so ca. 60db an Signalumfang aufzeichnen.
Also von maximaler Lautstärke bis zu fast nicht mehr hörbar.

Die Komprierung/Expandierung mit Telcom erfolgt grundsätzlich über den gesamten Frequenz und Pegelbereich linear.

Mit dem Telcom erreicht man nun, dass Aufnahmeseitig der Signalumfang (vor dem Mischpult bis zur Aufzeichnung ) von 90db aufs Band gebracht wird.
1: 1,5 macht aus 90db wiederum 60db und die passen aufs Band.
Das ganze ist db- und frequenzlinear (auf der logarith. Skala) wenn ich mich nicht irre.

Bei 0db bleibt alles alten. Einfache Mathematik. Also geht die Gerade immer durch den Nullpunkt.

Bei der Wiedergabe wird nun dieses mit Telcom komprimierte aufgezeichnete Signal wieder expandiert.
So werden aus den +2db nun +3db aus +4 ... 6db und aus -40 eben -60db. Also werden aus ca. 60db Signalumfang vom Band wieder die 90db.
Auf der Strecke bleibt dann auf jedenfall das Eigenrauschen des Bandes.

Hans-Joachim wird an meiner einfachen Erklärung sicherlich seine Freude haben!!!
Es gibt da glaube ich noch von "Wermuth" einen Aufsatz über die Telcom's, hab den aber nicht greifbar.
Vielleicht schickt ihn dir Hans-Joachim.

Gruß Alfred

Beitrag Samstag 20. September 2008, 22:38
BtausD Benutzeravatar
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Guten Abend Alfred,
Dank für die rasche Antwort.
Ich möcht den 5. Absatz Deines Schreibens, welcher den Kern der Diskussion trifft, aufgreifen:
"Bei 0 db bleibt alles beim alten, einfache Mathematik, die Gerade geht immer durch den Nullpunkt"
Diesen 0 Punkt haben wir in unserem Beispiel doch mit +2db
als Bezugspegel für das Telcom festgelegt, also bleibt bei der Aufnahme nur bei +2db alles beim Alten- darunter wird um Faktor 1/3 komprimiert, darüber um den Faktor 1,5 expandiert??
Gruss von Bt aus D

Beitrag Sonntag 21. September 2008, 10:50
Alfred Trippel As
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Hallo,

vergesse mal das Vorzeichen bei -60db!
Mit der Mathematik bei 0db meinte ich eben nur 0 db geteilt durch irgendetwas ergibt eben immer 0db.
Bei der Telcom wird der Dynamikumfang aufnahmeseitig, eben mathematisch absolut gesehen komprimiert und dann wiedergabeseitig wieder expandiert.

Schick mir ne PN mit deiner Email, dann kann ich dir den Aufsatz aus der Funkschau (PDF) schicken. Dort ist die Funktionsweise genau erklärt.
Hier mal der Auszug der Kennlinie der Telcom.

telcomkennlinie.jpg


Gruß Alfred
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Beitrag Sonntag 21. September 2008, 19:38
PhonoMax Haudegen
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Lieber Dieter,

angesichts von Alfreds prägnanten Aufräumversuchen, fehlt mir fast der Mut, den Pauker in mir noch einmal zu beschäftigen, trotzdem riskiere ich es, weil mein Text schon seit gestern fertig ist und eigentlich vor Alfreds hilfreicher Einlassung entstand: Ich befinde mich ja derzeit nicht zuhause, sondern in Dolbys Geburtsstadt und damit nicht nur ab vom Schuss, sondern auch nur zeitweise im Bereich brauchbarer Internetzugänge. Ich sehe von der Aktualisierung meines letzlich nicht mehr restlos aktuellen Beitrags ab. Alfred, DIeter und potenziell Interessierte werden mir diese Umstände nachsehen:

Zunächst einmal müssen wir auch beim Telcom aufmerksam und bewusst zwischen Aufnahmeeinschub (Kompressor) und Wiedergabeeinschub (Expander) unterscheiden. Du sprichst in deiner letzten Stellungnahme einmal vom "Kompressor" und dann im Gegensatz dazu vom "Kompander"; das ist als Gegensatzpaar aber unzutreffend. Der "Kompander" bezeichnet das Gesamtsystem über Kodierung und Dekodierung, während der Kompressor allein die Aufnahmeeinheit benennt.

Wo dein Verständnisproblem wirklich liegt, wäre nur durch eine längere Diskussion mit dir und dem dabei erfolgenden Abklopfen deiner bereits vorliegenden Sachkenntnis eindeutig möglich. So, wie sich die Sache für mich jetzt ansieht, liegt dein Problem aber wahrscheinlich in einer unseligen Anwendung des dB-Maßes. Du wirfst in deiner Beschreibung nämlich durchaus nicht 'uncharakteristisch' (= derlei passiert[e] öfter und vor allem auch anderen) absolute und relative Pegel durcheinander, was dann fast zwangsläufig und keineswegs auf dich beschränkt in Verwirrung enden muss. Hier gleichsam mehrgleisig denken(und rechnen!) zu lernen, gelang so manchem Kollegen über ein Berufsleben hin nicht.

Das dB-Maß ist ein Verhältnismaß und gibt daher immer die Relation eines erfassten zu einem anzugebenden(!) Referenzwert an. Du aber argumentierst ohne nähere Angaben zwischen der in dB eingeteilten Systemkennlinie und der absoluten Ausgangsspannung im steten Wechsel, ohne absolute (das wären z. B. deine +2 dBu) und relative Pegel (also der internenen Systemkennlinie) säuberlich auseinanderzuhalten. Würdest du definitiv zwischen dBu (dB auf Bezugsbasis 0,775 V) und einer ebenfalls in dB angegebenen, aber von zu wählender Eingangs- bzw. Ausgangsspannung eines Gerätes unabhängigen, weil prinzipiellen Systemkennlinie unterscheiden (können???, hier hakt es bei meiner Einsicht in deinen bereits erworbenen Sachverstand), wäre wahrscheinlich bereits der erste und entscheidende Schritt auf die Beseitigung deines Denkfehlers hin getan.

Ersatzweise sollte angesichts deines Verständnisproblems anschaulicher mit Pegelabsolutwerten (in Volt oder Millivolt) argumentiert werden, um beim Jonglieren mit den verschiedenen dB-Werten nicht doch in den Wald zu geraten. Dieses Problem ist ja keineswegs trivial, sondern ein ziemlich fallstrickreiches Terrain, auf dem sich schon manch anderer vergaloppiert hat (siehe unten!).

Nun aber unmittelbar zu deinem Problem:
Die dB-linear verlaufenden, also im Gegensatz zum Dolby A geraden Betriebskennlinien von Aufnahme- und Wiedergabetelcom sind als Folge der sachbedingten, gegenseitigen Kompensation gegeneinander angewinkelt, müssen sich also 'irgendwo' kreuzen. Dieses "Irgendwo" legt man auf 'einen' internen 'Nullpunkt', den man als "0 dB" definiert. Auf welchen Eingangs- bzw. Ausgangspegel diese "0 dB" zu liegen kommen, kann von anderen Bedürfnissen abhängig gemacht werden, an der grundsätzlichen Funktion des Systems ändert sich dadurch nichts. Oberhalb und unterhalb dieses Pegels wird aufnahmeseitig gleichermaßen komprimiert wie wiedergabeseitig expandiert. Bedenke aber, dass wir -im dB-Maßstab- oberhalb jenes System-Bezugspegels 'positive' und unterhalb negative dB-Werte haben, deren unterschiedliche Vorzeichen als ein mathematisch/physikalisch Unterschiedlich aussehender Vorgang in die Behandlung des Systemeingangssignales eingehen.

Also:
-60 dB unter SYSTEM-Bezugspegel werden am (Aufnahme-)Systemausgang (NICHT notwendigerweise Einschubausgang!!!) zu -40 dB, -30 dB zu -20dB. Geraten wir über den Systembezugspegel hinaus, den wir willkürlich als 0 dB bezeichnet haben, so werden 6 dB über Systembezugspegel zu + 4 dB und 9 dB über Systembezugspegel zu + 6 dB. Beim Wiedergabevorgang (Expander) verläuft dies natürlich umgekehrt.

In einem nächsten Schritt ordnen wir nun dem Systembezugspegel, den wir willkürlich mit "0 dB" bezeichnet haben, für die Kommunikation mit der Peripherie einen definitiven absoluten Pegel zu, den wir weitgehend nach unseren Bedürfnissen einrichten können, ohne die grundsätzliche Funktion des Systems zu beeinträchtigen. Genau hier setzt das vom ORF in Valsis Besitz gelangte Telcom an, dessen Aufnahmeeinschubs-Eingangsspannung im Bezugspunkt des Telcom auf 1,55 V (entsprechend + 6 dBu) festgelegt, während die Aufnahmeeinschubsausgangsspannung auf 0,96V (entsprechend + 2 dBu) eingerichtet wurde. Die 1,55V/514nWb/m-Bandmaschine erhält also bei nomineller (aber problemlos und zulässigerweise überschreitbarer!) Vollaussteuerung über Telcom nur 0,96 V Eingangsspannung, wird also letztlich 4 dB niedriger ausgesteuert als ohne Telcom, oder anders ausgedrückt: Der Telcomaufnahmeeinschub wird bezüglich der Eingangsempfindlichkeit und seiner Ausgangsspannung unterschiedlich eingestellt, da die "0 dB" der Systemkennlinie mit 1,55V am Eingang und 0,96 V am Ausgang korrelieren.

Beim Wiedergabeeinschub ist das natürlich umgekehrt, weil die ursprünglichen Pegelverhältnisse wiederhergestellt werden müssen: Die Bandmaschine gibt 0,96V bei nomineller VA ab, die den "0 dB" der Systemkennlinie entsprechen. Die Eingangsempfindlichkeit des Wiedergabeeinschubes ist daher im Systembezugspunkt auf 0,96V einzurichten, während die gleichzeitig abgegebene Telcomausgangsspannung (zur Kommunikation mit der Studioperipherie) 1,55 V beträgt. Nimmt man die in der Regel 1:1 arbeitende Bandmaschine aus dieser Anlage heraus und ersetzt sie durch eine durchgängige Verbindung zwischen beiden Telcoms, so muss sich ein einwandfrei arbeitendes System ergeben.


Abschließend weise ich nochmals darauf hin, dass das Telcom bei Aufnahme grundsätzlich und über den gesamten Arbeitsbereich hin komprimiert und bei Wiedergabe expandiert. Darin unterscheidet es sich von Ray Dolbys seit Dolby-A-Zeiten gängigen Lösungen, die aus keineswegs unverständlichen Gründen gekrümmte Kennlinien einsetzen, die erst bei niedrigen Pegeln wirksam werden. Oberhalb dieses Bereiches bleibt das Signal bei ihm im Grunde unverändert.

Den von Alfred angesprochenen Funkschau-Aufsatz des Telcom-Konstrukteurs JÜrgen Wermuth anlässlich der Markteinführung von Telcom 1976 (2,5 MB-PDF) lasse ich dir nach Mitteilung deiner Mailadresse gerne zukommen, auch wenn darin die DOLBY(!!)-Kennlinien falsch herum gezeichnet sind. Interessanterweise scheint dies dem ja nun fraglos fach- und sachkundigen Wermuth bzw. seinen Adlaten weiland nicht aufgefallen zu sein, obgleich die (Dolby-) Systemcharakterisierung im Text völlig korrekt erfolgt. Vielleicht liegt das aber daran, dass dieser Fehlgriff im Hause Telefunken, das der erste Vertreiber des Dolby-A-Systems in Deutschland war, durchaus Tradition hat: Im ersten Aufsatz aus diesem Hause zum "Dolby-Stretcher" (8. Tonmeistertagung 1969 bzw. Fernseh- und Kinotechnik 1970, Heft 4) löste Klaus Bertram nämlich wohl durch eine missverständliche Grafik dieses Missgeschick aus, das im TMT-Vortrag nicht auftreten konnte, weil Bertram die zutreffende, im Zeitschriftenaufsatz aber sehr viel später kommende Grafik gleich nachschob.
Derlei sollte einem als Fachmann zwar und vor allem bei einem Neuaufsatz nicht passieren, rutschte aber offensichtlich in beiden Fällen durch sämtliche Lektorierungen und Korrekturen hindurch.


Last but not least: Meine beiden Fremdforenverweise wollten nicht dein nun behandeltes Verständnisproblem angehen, sondern lediglich das 'Setup' beschreiben, das in deiner Beschreibung -wohl aufgrund deines Verständnisproblems- erheblich von der 'gemeinten' Form abwich.


Hans-Joachim

Beitrag Mittwoch 15. Oktober 2008, 12:21
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guten Abend Alfred,

auf Grund unseres Urlaubs kann ich erst jetzt die Gelegenheit nutzen, mich herzlich für die ausführlichen, lehrreichen und geduldigen Antworten auf meine Frage zu bedanken!!

Abschliessend noch folgende Frage zum Thema TELCOM:
Wurde es überwiegend beim Rundfunk oder auch bei der Schallplattenproduktion eingesetzt?

Gruss aus D.

Beitrag Donnerstag 16. Oktober 2008, 02:53
PhonoMax Haudegen
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TelcomC4 ist zweifellos ein Kind der Erwartungen des zentraleuropäischen Rundunks an den technischen Fortschritt der magnetischen Tonspeicherung gewesen. Nachdem der Rundfunk aber auch hierzulande nicht im luftleeren Medienraum operiert, technischer Fortschritt auch für Schwesterunternehmen und deren Vorstellungen von fachlicher Hochwertigkeit bedeutend sein kann, übernimmt man bei dieser Zuträger- bzw. Schwesterindustrie namentlich dann solche Fortschritte, wenn keine Alternativen bestehen bzw. absehbar keine besseren Ergebnisse bringen können. Das war 1976 bei Einführung von TlecomC4 definitiv sämtlich der Fall. Da die Rundfunkanstalten damals in Europa noch kulturelle Standards setzten und sich nicht im fachfremden Genre des Gelddruckens versuchten, war abzusehen, dass 'bis auf weiteres' durch keinen Rauschminderer ein derartiges Maß an Vorteilen gemeinsam erzielbar sein würde. Man müsste denn ein neues Verfahren (der Aufzeichnung) serienreif fortentwickeln.... (und da brodelte ja schon allerhand).

Also übernahm namentlich der Teil der Branche das Verfahren, dessen Hauptkundschaft innerhalb Europas saß. Je inniger aber die Verbindungen in den amerikanschen Kulturraum waren, umso loser wurde der Bezug zu TelcomC4, weil der größte Markt dieser Welt aufgrund seiner teilweise sehr eigenen Bedingungen sich mit Dolby A recht gut bedient sah, sofern es solcher Aufstände dort überhaupt bedurfte. Internationale Filme (also solche aus Hollywoods Schmieden) griffen zu Dolbys Produkten, die natürlich durch die Landmarks von Telcom neu aufzumischen waren und in 'SR' dann auch einige Jahre später ein weitgehend vergleichbares Pendant setzten.

Auch hier sollte man sich die guten Gründe klarmachen, um deretwillen ein befähigter Konstrukteur wie Ray Dolby 1965 mit den gebogenen Systemkennlinien seinen eigenen Weg beschritt, obgleich Probleme und Grenzen dieser Entscheidung erkennbar waren.

Hans-Joachim

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