Start Der ganz normale Wahnsinn... Musik GELÖST: Unlängst bei Steinway & Sons

GELÖST: Unlängst bei Steinway & Sons

Neben der Technik von Bandmaschinen & Tontechnik möchte ich dieses Forum rund um das Thema moderieren, um das es uns allen geht: Wer hört welche Art von Musik bzw. was gibt es auf dem Musikmarkt Interessantes zu entdecken?

Moderator: Administratoren


Beitrag Freitag 21. April 2017, 14:36
bert Routiner
Routiner

Beiträge: 44
Hallo Forum,

Ich hatte ja angekündigt, ein kleines Anektödchen über Musik und Perfektionismus zum besten zu geben.
Wobei diese Anektode eine wahre Begebenheit ist.

Ein guter Freund der Familie ist bekennender Perfektionist.
Einer von der Sorte wie ich noch keinen zweiten erlebt habe.

Hier in Stuttgart ist er bei Handwerkern, Architekten und Sammlern als Schrecken aller Beteiligten bestens bekannt.

Als guter Pianist und großer Musikliebhaber gibt er sich nicht mit einem einfachen Piano zufrieden.
Ein Steinway muss es schon sein, und zwar nicht irgendeiner sondern der Beste, den Steinway im Fundus hat.
Der Beste bedeutet für ihn PERFEKT.

Nachdem die Entscheidung für einen großen Konzertflügel von Steinway gefallen war, was ein Monate währender Prozess der einseitigen Vorsträge durch ihn war. ging die Reise nach Hamburg zu Steinway & Sons Germany.

Dort, so wurde mir aus gut unterrichteten Kreisen berichtet, lag unser lieber Freund zum Schrecken der Steinway Leute mit Lupe und Resonanzhämmerchen bewaffnet im Show-Room unter einem Flügel und inspizierte die Verarbeitungsqualität eines 124.000,-€ Konzertflügels.
Da sich mein Freund in seiner Begeisterung natürlich nicht so schnell mit guten Worten unter dem Flügel hervorlocken lies, blieb den gepeinigten Leuten von Steinway zur Vermeidung weiterer Peinlichkeiten nichts anderes übrig als den Show-Room für einige Zeit für anderes Publikum zu sperren.

Dieser Flügel steht mittlerweile bei unserem Freund in der Wohnung.
Besucher dürfen das gute Möbelstück aus gebührlicher Entfernung anschauen - aber bitte nicht zu intensiv... der Flügel könnte ja Schaden nehmen.
Das Berühren durch einen "unwürdigen" Besucher könnte den sofortigen Tot zufolge haben.. zumindest jedoch höchste Verachtung bei ihm hervorrufen.


Ihr seht also, Musik kennt keine Grenzen.

Bert
Zuletzt geändert von bert am Montag 24. April 2017, 00:04, insgesamt 1-mal geändert.

Die hier gezeigte Werbung wird nicht durch "Das STUDER und ReVox Forum" bereitgestellt, sondern automatisiert durch Google. Grundlage sind die verwendeten Schlüesselwörter in den Beiträgen. Besucher dieser Links werden gebeten sorgfältig mit den angebotenen Produkten/Seiten umzugehen.
 
Beitrag Freitag 21. April 2017, 19:00
cavemaen Benutzeravatar
Lebende Forenlegende
Lebende Forenlegende

Beiträge: 2456
Wohnort: 34582 Borken / Hessen
Einer meiner früheren Chef's suchte auch einen Steinway Flügel aus, damals Ende der 1990er Jahre für moderate 65.000,-DM.

Man erzählt sich, dass er bei 4 identischen Flügeln unterschiedliche Klänge herausgehört haben soll...
__________________________________________________________________________________________

Als ich mal bei Studer in Regensdorf einen Service-Lehrgang absolvierte, durften wir in die heiligen Räume der Vorserien und Mustergeräte, quasi in den edelen Abhörraum hinein.

Nicht nur, dass auf dem mir (bis heute) unbekannten digitalen Mischpult kein Typ draufstand, auch die aktiven Monitore habe ich nie wieder gesehen.

Auf meine Frage hin, aus welchem Grund der CD-Spieler A725 einen trafosymetrischen Ausgang hätte plus optional einen elektronisch-sym. Ausgang, bekam ich sinngemäß folgende Antwort:

Man hätte ofter Großkunden der Industrie und Musiker zu Gast. Unter diesen hätten sich auch hochrangige Dirigenten befunden, welche sich von der Qualität der Studer-Produkte überzeugen konnten.

Man habe mehrere Berufsmusiker und namhafte international bekannte Dirigenten da gehabt, von denen einige im A/B-Vergleichstest den Unterschied zwischen trafosymetrisch und elktr. Symetriert mit hoher Prozentzahl heraushörten - ja bis auf einen; ein Dirigent hörte das zu 100% heraus!

Aus diesem Grund biete man eben diese Ausgangsplatine an, welche auch dieser besagte Herr in seinem Gerät orderte.

Rudy

Beitrag Samstag 22. April 2017, 14:16
bert Routiner
Routiner

Beiträge: 44
Hallo Rudy,

eigentlich müsste ich mit dem nachfolgenden Text ein neues Thema eröffnen. (vielleicht tu ich das ja noch und zitiere diese Passage).
Aber ich versuchs mal kurz und verständlich rüber zu bringen.

Zuerst aber einmal, unsere beiden Geschichten gehen in die gleiche Richtung.
Perfektionismus ist oft auch eine Frage des eigenen Maßstabs den mal anlegt, solange das Ergebnis nicht wie bei deinem Dirigenten 100% messbar ist.

Den vielen Beiträge nach, die ich von dir gefunden habe entnehme ich, dass du auch kein junger Backfisch mehr bist.
Ich werde demnächst 62 und das Problem das ich zur Diskussion anrege hat genau mit unserem Alter zu tun, nämlich mit dem Hörvermögen, das bekanntermaßen mit zunehmendem Alter immer mehr eingeschränkt ist.

Ich möchte den sich über die Zeit kontinuierlich einengenden hörbaren Frenquenzgang in Relation zur Erkennung von Ton und Klangfarbe setzen.
Klingt komplex... ist komplex.

Wie wir alle wissen, hört ein Kind von ca. 20Hz bis ca. 20kHz.
Ein alter Sack wie ich (mea culpa an alle anderen Forumsmitglieder in meinem Alter) hört nur noch von ca. 40Hz bis 10/12kHz bestenfalls bis 15kHz.
Nun gibt es die seltenen Ausnahmen, die mit dem absoluten Gehör gesegnet sind (statistisch betrachtet ist dies nur ein Promille-Satz aller Menschen). So wie der von dir erwähnte Dirigent (ich tippe mal H.v. Karajan) oder auch der japanische Tongestalter Yasuhisa Toyota, der die Elbphilharmonie tontechnisch designed hat.
Es gibt natürlich viele Möchtegern-Absoluthörer, die sich Musikanlagen zu Preisen jenseits von Gut und Böse kaufen.

Jetzt möchte man annehmen, dass mit immer geringerem Hörvermögen bei hohen Frequenzen automatisch auch die Erkennbarkeit der verschiedenen Stimmen und Instrumente verlorengeht, da ja bekanntermaßen die Klangfarbe durch den Mix der Obertöne (also der ungeradzahligen Harmonischen) geformt wird. Dem ist aber nicht so. So zumindest meine Erfahrung und die von vielen meiner Freunde, auch dem perfektionistischen Steinway Spieler.

Die Obertöne liegen weit über unserer Hörgrenze und doch verfügen wir über eine Sensorik, die es uns auch im fortgeschrittenenAlter ermöglicht, Stimmen und Instrumente klar zuzuordnen.
Von daher fehlt mir schon seit jeher eine Messgröße, die genau diesem Widerspruch gerecht wird.
Dies ist meines Erachtens auch genau die Grauzone, welche die Audio Päpste und Tester für ihre blumigen Beschreibungen ausschlachten.
Ein Bezug auf altergerechtes Hören fehlt per Se. Ich meine damit nicht Alterstaubeit sondern nur die vorher erwähnte Frequenzbandeinengung.

Kurzum, ich geniese meine Musik auch mit ein paar Hertz weniger ;-) ;-) ;-)


Gruß,
Bert

Beitrag Sonntag 23. April 2017, 13:25
cavemaen Benutzeravatar
Lebende Forenlegende
Lebende Forenlegende

Beiträge: 2456
Wohnort: 34582 Borken / Hessen
Habe zufällig gestern wieder ein sehr langes und ausführliches Telefonat mit einem Mann geführt, welcher Ton-Ing. und Tonmeister in Person ist.

Auch über die Hörfähigkeit im Alter war ein Thema mit dem Ergebnis, dass man den Abfall der hörbaren Frequenzen im Alter nicht pauschalieren kann.

Menschen mit "ungeschultem Gehör" fällt das nicht so auf wie bei jemanden, der mit Musik zu tun hat(te) oder vielleicht sogar Musiker ist.

Ich betrachte mich als extrem empfindlich was hohe und zu hohe Frequenzen betrifft und konnte noch Anfang der 1990er Jahre bis zu 23KHz warnehmen.

Einen Klavierstimmer verblüffte ich mal mit meiner Aussage, dass an seinem "Werkstück" wohl der Resonanzboden gerissen sei, was sich später bestätigte.

Aber zum Kernthema; es soll eher der Pegel sein, also häufig die Lautheit mit der Fähigkeit feine Nuancen zu hören verloren gehen und bei anderen Menschen einen Teil der Frequenzen.

Das soll (so habe ich mal gelesen) vom Individuum abhängig sein und was man beruflich gemacht hat wie z.B. Industrielärm, leben an der Hauptstraße oder Aufenthalt in Disko's.

Bei großen Konzerten tauschten sich früher die Tontechniker am Beschallungspult nach 20 Minuten aus, da das Gehör nach dieser Zeit und entsprechender Lautstärke nicht mehr in der Lage ist, Qualität zu beurteilen!

Daher bin ich mal aus einem Konzert der Status Quo nach 15 Minuten mit Tinitus geflüchtet. Das qualitativ beste Konzert lieferte Johnny Cash ab, da stimmte alles!

Aber es gibt zu viele Hörgeschmäcker, Sounds und "Sound-Kreateure" mit teilweise zweifelhaftem Geschmack.

So wie es Tonabnehmer-Gurus gibt und Dinge meinen zu hören, welche gar nicht auf dem Tonträger sind, so gibt es heute zunehmen Leute, welche sich die alten Verstärker mit Glimmstengeln von Dynacord und Klemt-Echolette zurück kaufen, da man den alten Sound mit Digital nicht hinbekommt....

R.

Beitrag Sonntag 23. April 2017, 18:06
bert Routiner
Routiner

Beiträge: 44
Hallo Rudy,

Danke für den interssanten Beitrag und Kompliment zu deinen "früheren" 23kHz, das haben nur sehr wenig Menschen.
Der Beitrag gefällt mir und geht auch genau in die Richtung die ich ausdrücken wollte.

Einen Aspekt möchte ich noch etwas präzisieren.

Wie du richtig schreibst, das Hörvermögen ist das eine der Hörgeschmack ist das andere.
Ich bin der Überzeugung, dass alle Hochglanzprospekte und blumig ausgeschmückten Testergebnisse neuer Edel-Hifi Anlagen eigentlich nur die vom Hersteller individuell "eingefärbte" (ich wähle mit Absicht eingefärbt und nicht verfärbt) Tonübertragung beschreiben, die sich in ihrer messbaren Linearität, der Frequenzbandbreite und der Auflösung nicht wirklich unterscheiden.

Wir alle wissen aber auch, dass man den Klang mit ein paar anderen Bauteilen weicher oder härter, wohltuender oder spitzer also in fast jede beliebige Richtung lenken kann.

Wenn man sich im Vorführstudio mal zum Vergleich Top-Anlagen von TA, Burmester, Accuphase usw. anhört, hört das geübte Ohr trotzdem feine Unterschiede.
Solange diese Unterschiede nicht mit einer Messmethode oder einer klar definierten Messgröße beschrieben werden können, sind wir auf das Abenteuer "Hörvergleich" angewiesen. Das Mysterium des individuellen Hörens wird sich meines Erachtens auch nicht auflösen sondern uns auch weiterhin in Verzückung geraten lassen.

Gruß, Bert

Beitrag Sonntag 23. April 2017, 19:19
cavemaen Benutzeravatar
Lebende Forenlegende
Lebende Forenlegende

Beiträge: 2456
Wohnort: 34582 Borken / Hessen
Früher hatte ich zu meiner aktiven Geschäftszeit einen Zulieferer, der u.a. die Firma Bose und renomierte Car-HiFi Firmen beliefert.

Der sagte mir, dass er vier absolut baugleiche Autoverstärker baut in 4 verschiedenen Gehäusen und Markennamen drauf.

Diese 4 identischen Produkte bekamen aber 3 unterschiedliche Bewertungen in Fachzeitschriften!

Daher äußere ich mich gelegentlich mit dem Spruch, dass das Auge mithört.

Rudy

Beitrag Montag 24. April 2017, 00:03
bert Routiner
Routiner

Beiträge: 44
Und nicht nur das Auge Rudy.
Meiner Überzeugung nach ist es auch eine Frage der Vorkonditionierung durch die Werbung und die blumigen Testberichte.

Egal wie's ist, es freut mich mit dir darüber diskutiert zu haben.

Den Artikel werde ich jetzt mal als gelöst kennzeichnen und ggf. später als neues Thema eröffnen.

Bernd hat mir das Programm für das nächste Revox Treffen in VS zugeschickt.
Dort wird es auch einen Vortrag zur Akustischen Wahrnehmung geben.
Mal sehn vielleicht eröffnet das neuen Diskussionsstoff zu diesem Thema.

Gruß, Bert

Beitrag Montag 24. April 2017, 09:27
dago Haudegen
Haudegen

Beiträge: 256
Wohnort: Obersulm
Hallo zusammen,

ich würde sagen, dass solange keiner von uns in den nächsten Jahren das "abolute Gehör" bekommt, wir diese Wahrnehmungen als subjektiv abtun und sich jeder eben seiner Prämisse erfreut.

Sonst wäre doch unser Hobby auch langweilig, denn messtechnisch sind wir mit den alten Geräten, welche ich wie ihr liebe, auf jeden Fall in der falschen Richtung unterwegs.

Trotzdem möchte ich dieses Hobby nicht missen. Diskussionen über Glaubensfragen hatten wir alle schon ausreichend.

Grüße
Rainer

Beitrag Montag 24. April 2017, 19:36
cavemaen Benutzeravatar
Lebende Forenlegende
Lebende Forenlegende

Beiträge: 2456
Wohnort: 34582 Borken / Hessen
Ihr habt Recht, nicht zu vergessen das Thema der Guru's mit deren überteuerten Kabeln in samtausgeschlagenen Teakholzschachteln... :sound:

Beitrag Dienstag 25. April 2017, 23:29
bert Routiner
Routiner

Beiträge: 44
Hallo Rudy,

Zum Thema Kabel eine kurze Geschichte.

Letztes Jahr habe ich die High-End Ausstellung in Stuttgart besucht und mir dort unter anderem eine Vorstellung von Herrn Kuhn von B&M inkl. Hörprobe von Lautsprechern für 76.000€ angesehen und angehört.
Dementsprechend "erlesen" war das Publikum.

Zum Thema Kabel sagte Herr Kuhn - nicht wortgemäß aber sinngemäß -.
"Vergesst den ganz Schmuh mit den sauteuren Kabeln. Für eine B&M reichen symmetrische XLR-Kabel vollkommen aus. Im Studiobereich wird auch nichts anderes als XLR verwendet. Alles andere ist nur Geldschneiderei."

Du hättest mal die Gesichter von einigen der Zuhörer sehen sollen (ich sage mal Kategorie "selbsternannte Hifi-Gurus).
Einigen von ihnen viel glatt die Kinnlade runter.
Sie hatten nicht erwartet, dass jemand der sauteure Lautsprecher verkauft, günstige Standardkabel dazu empfiehlt.

Es ist und bleibt halt alles eine Sache der Wahrnehmung und vielleicht auch der Einbildung.


Gruß, Bert

Beitrag Mittwoch 26. April 2017, 14:03
cavemaen Benutzeravatar
Lebende Forenlegende
Lebende Forenlegende

Beiträge: 2456
Wohnort: 34582 Borken / Hessen
In Staatstheatern und ARD-Anstalten lagen kilometerweise Siemensdraht im Kaliber 2x0,14mm mit Folienschirm in Bündeln von bis zu 30cm Durchmesser.

Ausgerechnet die 40cm zwischen Player und Verstärker in unseren privaten Tonzimmern sollen nun die Klangwelt retten..... :?

Beitrag Mittwoch 26. April 2017, 19:59
Broesel6900 Jungspund
Jungspund

Beiträge: 11
Wohnort: Bregenz
Backes&Müller (B&M) baut aktive Boxen, da braucht es gar keine Lautsprecherkabel.....

Zuspielung über Kabel mit XLR Steckern ist auch nichts aus zu setzten.

Bei passiven Lautsprechern sollten die Lautsprecherkabeln zwischen Verstärker und Boxen halt nicht zu dünn sein,
aber High End Kabel würde ich mir jetzt auch nicht anschaffen.

Gruß
Markus

Beitrag Donnerstag 27. April 2017, 11:31
A721 Benutzeravatar
Haudegen
Haudegen

Beiträge: 229
Wohnort: Rhein-Main-Gebiet
Ja, ja, die Kabelfrage. Immer wieder neu, immer wieder kontrovers und es bleibt letztendlich doch alles subjektiv ;-).

Meine Anlagen verfügen zumeist über Passivlautsprecher, die durchweg mit normalen LS-Kabeln (6mm Kabelquerschnitt ) an ihren jeweiligen Verstärkern betrieben werden. Die Distanz zwischen den Hauptlautsprechern und Verstärker beträgt nicht mehr als 4 Meter. Im Wohnraum kann optional ein aktiver Sub eingeschleift werden, hier sind ca. 12 Meter des erwähnten Kabels verlegt. An der klanglichen Abbildung habe ich nichts auszusetzen.

Interessant für mich wird sein, wie sich die künftigen Aktivlautsprecher (Revox Scala 3.6) meines Sohnes an seinem Verstärker (wie bei mir, Revox M51 digital) anhören.
Bernd

Die hier gezeigte Werbung wird nicht durch "Das STUDER und ReVox Forum" bereitgestellt, sondern automatisiert durch Google. Grundlage sind die verwendeten Schlüesselwörter in den Beiträgen. Besucher dieser Links werden gebeten sorgfältig mit den angebotenen Produkten/Seiten umzugehen.
 

Zurück zu Musik