Nagra IV-S kehrt nach München zurück

Alles zum Thema "Fragen und Technik" bei Nagra Kudelski

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Hobbit66
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Nagra IV-S kehrt nach München zurück

Beitrag von Hobbit66 »

Hallo beisammen,

seit letztem Wochenende hat eine Nagra IV-S wieder ihren Weg in die ehemalige Heimat von Nagra Kudelski München gefunden.

Das gute Stück stammt von 1971/72, hat noch eine 3xxx er Seriennnummer ist eine CCIR Variante und ist optisch noch sehr gut erhalten.

Nun stellt sich natürlich die Frage was tun damit, damit diese wieder zuverlässig wie einst gedacht läuft?

1) Andruckrolle tauschen

Auf alle Fälle muss die Andruckrolle getauscht oder neu vulkanisiert werden. Diese ist alt und brüchig geworden. Da auf Anfrage bei Nagraaudio fast keine Andruckrollen mehr vorhanden sind und wenn dann nur zu extrem orbitanten Preisen im oberen dreistelligen Bereich, habe ich in der Bucht nach Rollen gesucht. Welche Andruckrollen wären hier empfehlenswert?

2) Bandzug überprüfen

Wer kennt eine Adresse die so etwas machen kann?

3) Band einmessen

Ich vermute die roten BASF Bänder waren der Standard für dieses Kleinod und Arbeitstier. Auch hier suche ich jemanden der mir die Nagra auf eine Bandsorte einmessen kann und die entsprechenden Bezugsbänder hat. Gibt es hier eine Empfehlung. Vielleicht gint es ja bedingt durch den sicher nicht sehr hochen Bandzug Einschränkungen auf bestimmte Bänder?

4) Line IN Kabel anfertigen

Für den Line Eingang in die Nagra IV-S müsste ich Kabel anfertigen, die auf der einen Seite mit Cinch und auf der anderen Seite mit dem Nagra Din Stecker bestückt sind. Braucht man hier spezielle Kabel? Was könnt ihr empfehlen?

4) Line OUT Kabel anfertigen

Für den Line Ausgang der Nagra IV-S müsste ich Kabel zum Vorverstärker anfertigen. Ich könnte entweder auf Chinch oder auf XLR beim Vorverstärker gehen (Funk Tonstudiotechnik Monitor MTX) . Welche Ausgänge sollte man hier an der Nagra wählen? Die Banana Ausgänge oder den Din Stecker?


Ich glaube das wäre es erst einmal. Bitte verzeit mir, wenn ich hier als Naga Neuling vielleicht den einen oder anderen Begriff falsch gewählt habe. Ich denke da kommt sicher noch einiges mehr an Fragen von meiner Seite.

Jedenfalls vielen Dank schon einmal im vorraus für Euere Hilfe!

Christian
revfan
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Re: Nagra IV-S kehrt nach München zurück

Beitrag von revfan »

Hallo,
ohne jetzt Deinen Fragenkatalog vollständig abarbeiten zu können, nur ein paar Gedanken:

Andruckrollen sind Glücksache. Der Kern dürfte wegen des verbauten Kugellagers ohnehin alt-original Nagra sein. Bei mir hat sich bei einer "Bucht"- Andruckrolle binnen kurzem der Gummi insgesamt abgelöst. Etwas Sekundenkleber brachte auch keine Dauerlösung. Heute würde ich 2K PU-Kleber nehmen, der hält oder den Gummi oder selbst etwas mit dem 3D-Drucker machen.

Einmessen "nur so" würde ich lassen, wenn Nagra es nicht selber macht. Wer hat z.B.: schon Messbänder für die 38cm/sec Nagramaster-Entzerrung. Da kann man auch nicht immer gerade mal an einem Poti drehen, sondern muss ev. Festwiderstände und Kondensatoren aus- und einlöten. Auch braucht man externe Spannungsversorgungen ua. Da verstellt sich aber sowieso nichts. Wahrscheinlich wurde das Gerät in Deutschland auf Agfa PER 386 eingemessen, wenn es professionell verwendet wurde und keiner in der Folge rumgepfuscht hat. Wenn das gut klingt ist alles gut, hilfsweise geht dann auch PER 528 (zu kurz) und LGR 35 oder wie das heute heißt. Miss halt mal den Frequenzgang bei einer Testaufnahme.

Beim Line-in Kabel musst Du beachten, dass da je ein 47 KOhm Serienwiderstand hineingehört, da die Nagra Stromverstärkung benutzt, wenn ich das richtig verstanden habe. Das steht auch so an der Anschlussbuchse. Line out Banane oder Din Buchse ist eigentlich eine Geschmacksfrage. Die technischen Daten sind gleich. Line in mit Din, line out mit Banane sieht für mich aber etwas komisch aus. XLR solltest du lassen, wenn ohnehin Cinch zur Verfügung steht, die Nagra ist nicht symmetriert. Es gab 2 Zusatzkästchen für symmetrisch, die teuer verkauft werden, aber auch nichts anderes machen, als ein jeder normale Symmetrierer/Desymmetrierer, den man wahrscheinlich ohnehin schon hat, wenn man auf solche Dinge achtet.

Viel Spass mit dem Gerät

revfan
Hobbit66
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Re: Nagra IV-S kehrt nach München zurück

Beitrag von Hobbit66 »

Hallo und vielen Dank für Deine Antworten

Das klärt in der Tat schon einiges.

Ich werde mich mal mit Andruckrollen aus der Bucht versorgen und hoffen, dass diese fuktionieren. Notfalls könnte man ja auch auf meine alte Andruckrolle irgendwie wieder einen neuen Gummi aufziehen oder vulkanisieren? Ich weiss nur nicht wer so etwas macht...

Mit dem Einmessen tesste ich es tatsächlich einmal mit den Bändern, die Du beschrieben hast. Ich weiss nur nicht wie ich am Besten den Frequenzgang messen kann? Welche Hilfsmitte bräuchte ich da?

Line In Kabel bastel ich mir dann selber. Das sollte ja zu machen sein. Ich vermute dass man dien Widerstand am Besten an der Steckerseite zur Nagra verlötet, oder?

Ich vermute man hat die Bananen Stecker deshalb gehabt, um mal schnell einen Monitor zu verkabeln. Das macht für mich am meißten Sinn...Dann werde ich eher die Din Buchse verwenden - obwohl ja ohnehin auf der rechten Seite die Stromversorgung angeschlossen sein muss, und das rechte Steckerfeld ohnehin nicht frei wird.

Danke auch für den Hinweis dass man XLR lassen soll. Einen Symmetrierer/Desymmetrierer habe ich tatsächlich im Einsatz.

Viele Grüße
Christian
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cavemaen
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Re: Nagra IV-S kehrt nach München zurück

Beitrag von cavemaen »

Grüße Euch!

Line-in und out-Kabel sind gleich.

Bei den Gummiandruckrollen würde ich nur schwarze empfehlen, da die hellen fast durchsichtigen bei Wärme rasch kleben und sich auflösen (NP: rund 180,-).

Aufgrund der besseren Störfestigkeit haben Nagras den Pluspol am Gehäuse.

Die Anschlußstecker sind sog. Kleintuchel, werden auch vom Fabrikat Binder gefertigt.

Falls kein Netzteil da sein sollte, kann man 24V Steckernetzteile mit 2,5A nehmen, zum Laden nur ca. 16V mit Strombegrenzung (10% der Nennleistung maximal), sonst kochen die Akkus (PAR zwischenschalten).

Unser Forenmitglied Heinzmen lässt GA-Rollen günstig für Studer-Revox bauen in sehr guter Qualität nach Originalmischung und hatte schon welche für Nagra.

Falls Unterlagen gebraucht werden, kann ich gerne helfen.

Rudy
ATN PAR.jpg
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MatthiasB.
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Re: Nagra IV-S kehrt nach München zurück

Beitrag von MatthiasB. »

Die GA Rolle kann man hier neu vulkanisieren lassen:
https://www.gummiwalzen-fender.de/
Wurde schonmal mit einer Nagrarolle gemacht und das Erbegnis war sehr gut:

https://tonbandforum.de/showthread.php? ... #pid216463

Die Gummibezeichnung lautet:
Mischung:
E80S-FG6240-02, EPDM, 80 ±5 Shore A, schwarz, antistatisch

Preis lag in 2018 um 55EUR, inwieweit das noch aktuell ist....bestimmt aber günstiger als Nachbaurollen.

Kugellager muß allerdings ausgebaut werden, am besten danach ein neues einsetzten.
Viele Grüße

Matthias
Hobbit66
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Re: Nagra IV-S kehrt nach München zurück

Beitrag von Hobbit66 »

Guten Abend beisammen

Besten Dank für die Hilfe und all die Tipps. Ich versuche es ein wenig zu strukturieren:

1) Andruckrolle

Den Vorschlag mit der Firma Fender finde ich klasse. Auch das Resultat in Nachbarforum sieht super aus. Ich schwanke noch ein wenig diesen Weg zu wählen, da ich dafür ja ca. 3 Wochen auf meine Andruckrolle verzichten muss.

Zudem bietet auf Ebay der Verkäufer fred_gewinnt Andruckrollen in creme (PU) und in schwarz (Gummi) an und es sieht so aus, als ob dies ehemalige und neu vulkanisierte Nagra Rollen sind. Der Preis ist mit ca. 89 Eur vermutlich auch nocht so viel höher als wenn ich es jetzt 2021 bei der Firma Fender machen lasse.

Heinzmen werde ich auch noch fragen, ob er vielleicht noch Andruckollen hat.

Danke für alle Tipps. Das ist besser als ich gedacht hatte.


2) Kabel für Line In und Out

An der Nagra IV-S ist seitlich an der Buchse ein Schild, dass ein 47k Ohm Widerstand (in Reihe oder Parallel?) dazwischengeschaltet werden muss. Brauche ich diesen wenn ich aus dem unsymmetrischen Chinch Ausgang des Vorverstärkers in den Line EIngang gehen möchte? Caveman meinte die Kabel für Eingang und Ausgang sind beide gleich...?

Danke an Rudy wegen des Steckertyps. Ich meine dass ich noch zwei oder drei neue Stecker mit meiner Nagra mitbekommen habe, um die Kabel zu konfektionieren.


3) Netzteil und Akkus Aufladen

Mit der Nagra habe ich ein Laptop Steckernetzteil mitbekommen. Das funktioniert, aber damit kann ich keine Akkus aufladen. Was wäre dann hier ein richtiges Netzteil? Kann ich jedes ATN kaufen - also auch ein ATN2 oder muss man da irgendetwas beachten? Welchen Preis sollte man dafür bezahlen. Ich habe das Gefühl dass bei Nagra Teilen teilweise absolute Fantasiepreise verlangt werden (400 Eur...). Ebenso für das Ladeteil bei denangebotenen Steht ATN - ATN 2 drauf . Was solll mir das sagen?


4) Unterlagen

Ich habe die Bedienungsanleitung zur Nagra dazu bekommen und mir das Service Manual von der nagraaudio Seite heruntergeladen. Welche Unterlagen sollte ich sonst noch zu meiner Nagra IV-S haben.


Sicher geht es irgendwann mit Fragen zu Mikrofonen los, aber ich freue mich schon wenn sie irgendwann zumindest an meiner Stereoanlage spielen wird.

Herzlichen Dank und Euch ein schönes Pfingstfest
Christian
revfan
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Re: Nagra IV-S kehrt nach München zurück

Beitrag von revfan »

Hallo,
Ein - und Ausgangskabel sind eben nicht gleich.Sie haben zwar den selben Binder Amphenol ua Stecker, aber in das Eingangskabel gehört der Widerstand und zwar als Serienwiederstand in das Signal. Auf welcher Seite ist m.E. egal.

Den Par Zwischenstecker kannst Du Dir sparen. Der war nur zum Laden der alten Akkus gedacht über eine Zeitbegrenzung, also endlos primitiv nach heutigen Maßstäben und mit den heutigen viel stärkeren Akkus und damit einhergehenden Ladeströmen eigentlich gar nicht zu verwenden. Mit der Überhitzungsgefahr hat cavmean daher völlig Recht. Da muss man aufpassen. Also besser raus mit den Akkus aus dem Gerät beim Laden, oder zumindest eine massive Ladestrombegrenzung, was aber das Laden etwa bei heutigen 10000 mAh Akkus nervig lange dauern lässt.

Als Netzteil tut alles, was Spannung abgibt. Man muss nur aufpassen, da die Nagra III etwas weniger Spannung aushält, als die IV. Mit dem oben abgebildeten alten Netzteil muss man auch aufpassen. Es ist ebenfalls sehr primitiv, da komplett ungeregelt und die Nagra brummt ordentlich, wenn es bei der Aufnahme zu nah an der Nagra steht wegen des Streufelds des nicht abgeschirmten Trafos. Die Nagra ist bei der Stromversorgung aber extrem gutmütig, da die Spannungsstabilisierung im Gerät selbst stattfindet. Da geht alles zwischen -11 und -30 Volt, mehr sollte es aber nicht werden.

Jetzt besorg Dir erst mal eine neue Andruckrolle, ohne die "geht" nichts. Der Rest findet sich dann schon. Ein Netzteil hast Du ja.

Revfan
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cavemaen
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Re: Nagra IV-S kehrt nach München zurück

Beitrag von cavemaen »

Das Zwischengerät PAR ist nur der Strombegrenzer zum Laden, der über einen anderen Pin die Akkus lädt.

Meine lief mit gleichem Kabelsatz am Eingang, wie auch am Ausgang, ob mit oder ohne Widerständchen drin.

Je nach Mikrofon-Vorverstärkern sind Kondensatormikrofone möglich (Ph48), sonst nur dynamische niederohmig, hochohmige, 12V Tonader oder 12V Phantomspeisung.

Je nach Entzerrung der Nagra sind die Mikro-Eingänge in Kleintuchel oder XLR gehalten.

XLR-Männchen (male) steht für NAB und XLR Weibchen (female) für CCIR.

Dann gibt es Zweispur-Tonköpfe und 0,75mm Trennspurköpfe an Maschinen, die weder Pilotton noch TimeCode haben, was aber ein anderes Thema ist.

Schau nach wieviele Ah die Akkus haben, bei 10% deren Kapazität soll die Strombegrenzung liegen und nicht über 1,3V je Zelle, sonst werden die zu heiß, werden undicht und versterben frühzeitig.

R.
revfan
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Re: Nagra IV-S kehrt nach München zurück

Beitrag von revfan »

cavemaen hat geschrieben: Sonntag 23. Mai 2021, 12:08 Das Zwischengerät PAR ist nur der Strombegrenzer zum Laden, der über einen anderen Pin die Akkus lädt
genau und zwar begrenzt er den Strom einfach auf 250 mA. Dann dauert das Laden eines neuen 10.000 mAh Akkus ...äh mindestens.... Auch macht er den Akku eher kaputt, weil es keine Ladestromkurve gibt.

Das mit dem Aufnahmekabel ohne Widerstände geht so lange gut, wie der Line-Ausgang des Geräts, von dem aufgenommen wird, selbst einen ausreichenden hohen Innenwiderstand hat. Da besteht ein Unterschied zwischen der "normalen" IV, deren Eingangsimpedanz 100 KOhm ist und die man am Bananenbuchseneingang sogar direkt an ein 100 Volt Netz anschließen können soll (habs nie probiert), und der Stereo Version, deren Eingangsimpedanz 0 Ohm ist, da sie "stromangepasst" ist.

Schließt man die IV oder iV. 2 usw aber über den DIN-Zubehöreingang an, befindet sich dort wie bei der S- Version ein Stromeingang, bei dem der Ausgang des angeschlossenen Geräts mindestens 20 KOhm haben sollte, um den Geräuschspannungsabstand nicht zu verschlechtern. In der BA der 4.2 ist beschrieben, dass man in Abhängigkeit von der anstehenden Spannung auch dort einen Längswiderstand zwischen 20K und 100kOhm, notfalls bei geringer Eingangsspannung von nur 37 mV auch 10 KOhm vorsehen soll, um aus der angeschlossenen "Spannungsquelle" eine "Stromquelle" zu machen. Für die IV S hat sich Nagra dann auf 47 KOhm festgelegt.

revfan
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