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Revox A77 Bandteller auf G36?

Fragen und Antworten zur Technik bei ReVox Geräten...

Moderator: Administratoren


Beitrag Mittwoch 10. Juli 2019, 10:55
MartinR Routiner
Routiner

Beiträge: 31
Hallo Zusammen,

passen eigentlich die Bandteller einer A77 auf das G36? Ich frage, da es in dieser Beziehung schlecht aussieht und wenn, die Teller recht unrund laufen.

Viele Grüße,
Martin

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Beitrag Mittwoch 10. Juli 2019, 18:00
Niederberger Jean Benutzeravatar
Trippel As
Trippel As

Beiträge: 172
Wohnort: Lugano
ich selber habe Revox G 36 (mk II und mk IIi) und die 26.5 cm Spulen passen darauf, deshalb sollten ja auch die Bandteller für Offenwickel einer Revox A77 mit dem gleichen Druchmesser passen. Das Problem ist das die Bandteller zwei kleine Nippel haben und bei meinen Revox G36 haben die Wickelteller mit der Dreizack-Arretierung keine Ausparungen (Löcher) für die Nippel und deshalb lassen sich die Bandteller nicht fixieren, vielleicht kannst Du ja selber zwei passende Löcher in die Wickkelteller bohren.
Mit freundlichen Gruessen
ein Revox Studer Fan aus dem Tessin.

Beitrag Mittwoch 10. Juli 2019, 18:31
MartinR Routiner
Routiner

Beiträge: 31
Hallo,

ich glaube du hast mich missverstanden.

Unter Bandteller verstehe ich das Teil, welches auf den Motor geschraubt wird.

Die Frage ist, ob sich dieses Teil:
https://www.ebay.de/itm/REVOX-A77-A700-B77-PR99-PAAR-BANDTELLER-TAPE-PLATES-NEXTEL-NEU-NEW-T2/352711645266?epid=730235079&hash=item521f409852:g:6uUAAOSwtLtbzhg0
auf das G36 schrauben lassen würde.

Viele Grüße,
Martin

Beitrag Montag 15. Juli 2019, 18:42
revfan Lebende Forenlegende
Lebende Forenlegende

Beiträge: 713
Hallo Martin,

nichts für ungut, aber wie sieht denn das dann aus ?
Wenn Du eh "neue" Bandteller kaufen willst, nimm doch gleich welche von der G36, die auch ab und zu angeboten werden.

revfan

Beitrag Montag 15. Juli 2019, 19:00
MartinR Routiner
Routiner

Beiträge: 31
Hallo revfan,

neu gefertigte G36 Bandteller, als aus alter Produktion, habe ich. Wie auch die alten, eiern die neunen ein wenig. Zumindesten immer einer. Da sie farblich aber unterschiedlich sind, lassen sie sich nicht kombinieren.

Daher meine Frage zu den A77 Bandtellern. Wie es aussieht, keine Ahnung. Ich kenne sie nur von Bildern. Zumindestens werden sie mit perfektem Rundlauf angeboten.

Viele Grüße,
Martin

Beitrag Montag 15. Juli 2019, 21:47
PhonoMax Haudegen
Haudegen

Beiträge: 266
Wohnort: München
Liebe Diskuonkels um G36II und A77,

vielleicht ist inzwischen aufgefallen, dass trotz sehr früher Verwandtschaft zwischen G36 und A77 (es gab 1965 noch keine A77, da war die G36 schon mit ihr -elektronisch!- verwandt), dass an der Mechanik beider Geräte doch mancherlei deutlich anders ist. Die Wickelteller der G36 bestehen aus dünnem, profiliert gepresstem Blech, die der A77 sind aus DurAL gedreht und damit deutlich stärker, tragen also so weit auf, dass der Bandeinlauf in die Kopfträgerbandführungen der G36 nicht mehr möglich ist/wäre. Überdies liegen die drei Befestigungsschrauben bei beiden Geräten anders, und der Durchmesser der A77-Teller weicht seinerseits von demjenigen der G36 ab. Eine Übernahme von A77-Wickeltellern auf der G36 stößt auf derart viele Probleme, dass man sinnvollerweise von derartigen Bastelarbeiten absieht.

Auf das Schlagen der G36-Wickelteller wird auf den Druckseiten 5 sowohl der frühen als auch der späten (letzten) Auflage der G36-Service-Handbücher in wortidentischer Weise Bezug genommen. Nachdem diese Service-Anleitung unser Lesevermögen nicht gerade überfordert, sollte man vielleicht da einmal nachschauen, was dort Guido Besimo selbst schrieb oder weiland schreiben ließ. Guido ist es als Konstrukteur und vor allem auch als Mensch wert, dass man sich mit ihm und seiner Arbeit befasst. Ich spreche aus Erfahrung. Jean wird mir da beipflichten.

Revox-Teller für AEG-Kerne lassen sich auf der G36 durchaus verwenden, bedürfen aber gewisser Anpassarbeiten.
Ich habe über einige Jahre vor und nach dem Studium -lang ist's her- neben meiner ersten A77ORF auch noch die G36 mit Offenwickeln (und schließlich auch mit DolbyA) sehr erfolgreich eingesetzt.
Zunächst müssen die oben von Jean erwähnten Bohrlöcher für die AEG-Teller-Mitnahmestifte mit großer Sorgfalt in den Blechkörper der G36-Wickelteller eingebracht werden. Je genauer man hier arbeitet, umso perfekter fällt am Ende der Rundlauf der AEG-Teller aus. Dabei gibt es allerdings vom Hause Revox aus ebenfalls Grenzen, die sich aber auch nicht so dramatisch auswirken wie bei den immer mit Spiel laufenden, sehr schweren NAB-Adaptern mit Metall-Doppelflanschspulen, weil die Masse des AEG-Tellers geringer ist. Andererseits: Jedes Eiern ist unschön. Ich habe an einem der G36-Wickelteller mehrere Lochpaare bohren müssen, weil meine diversen AEG-Teller minimale Abweichungen bezüglich der Mitnehmerstiftpositionen zeigten. Solides Messen, Anreißen und Bohren helfen.

Weiterhin sind die ja für die A77 konzipierten Längen der Mitnehmerstifte der Revox-AEG-Teller bei der G36 zu lang. Man muss sie für die Verwendung auf der G36 ein wenig abschleifen. Zudem empfiehlt es sich, die Federn in den Dreizackhülsen ein wenig zu kürzen, damit man die obere, bewegliche Hälfte des Dreizacks ohne Fingernagelverluste in den Drehknebel der AEG-Kernhalterung einheben kann.

Hans-Joachim

Beitrag Dienstag 16. Juli 2019, 15:36
Niederberger Jean Benutzeravatar
Trippel As
Trippel As

Beiträge: 172
Wohnort: Lugano
@ PhonoMax
Lieber Hans-Joachim
vielen Dank für die ausführliche Erklärung !
Liebe Grüsse aus Lugano
Mit freundlichen Gruessen
ein Revox Studer Fan aus dem Tessin.

Beitrag Dienstag 16. Juli 2019, 16:27
MartinR Routiner
Routiner

Beiträge: 31
Hallo Zusammen,

Niederberger Jean hat geschrieben:
Lieber Hans-Joachim
vielen Dank für die ausführliche Erklärung !
Liebe Grüsse aus Lugano


Dem kann ich mich nur anschließen.

Das ist doch genau die Information nach der ich gefragt hatte.

Vielen herzlichen Dank noch einmal.

PhonoMax hat geschrieben:
Auf das Schlagen der G36-Wickelteller wird auf den Druckseiten 5 sowohl der frühen als auch der späten (letzten) Auflage der G36-Service-Handbücher in wortidentischer Weise Bezug genommen. Nachdem diese Service-Anleitung unser Lesevermögen nicht gerade überfordert, sollte man vielleicht da einmal nachschauen, was dort Guido Besimo selbst schrieb oder weiland schreiben ließ. Guido ist es als Konstrukteur und vor allem auch als Mensch wert, dass man sich mit ihm und seiner Arbeit befasst. Ich spreche aus Erfahrung. Jean wird mir da beipflichten.


Ich habe zwar die Seiten in der Serviceanleitung bezüglich des Schlagens des Bandtellers nicht gelesen, aber selbst so umgesetzt. Sogar mit Drehmomentschlüssel ;-)

Viele Grüße,
Martin

Beitrag Dienstag 16. Juli 2019, 20:02
PhonoMax Haudegen
Haudegen

Beiträge: 266
Wohnort: München
Liebe Mitleser,

dann hat sich ja allerhand G36-fragliches (hoffentlich!) in Wohlgefallen aufgelöst.
Auch ich bin dankbar, wenn aus einer Rückschau über fast sechzig Jahre noch Dinge handfest geklärt werden können, die andernorts oftmals durch berufliche und existenzielle Generationswechsel nur noch dann beantwortet werden können, wenn schriftliche Unterlagen vorliegen.

Im Falle von Studer und Revox lassen sich aber noch viele Dinge im persönlichen Gespräch behandeln, weil viele der seinerzeitigen Protagonisten noch in erstaunlicher Frische unter uns sind. Sie können bis in Details die seinerzeitigen Abläufe bis in für die Firma fast symptomatische Streitigkeiten und Diskussionen hinein schildern, woraus die Probleme, aber auch die betroffenen Persönlichkeiten sehr farbig hervortreten.

So stieg der junge Guido Besimo (Vater von F36, C37, J37, F36, G36, A77 und der ersten professionellen Stereobandmaschine außerhalb jeder Fertigungslinie für ein Baden-Badener Studio) in die Bandgerätekonstruktionskoordination letztlich mit der Stereofonisierung der C36 nach D36 ein, die zunächst "vom Willi" selbst gemeinsam mit einem Werkstudenten betreut wurde, aber unüberwindliche Probleme bereitete. Mangelnde Schallisolation ließ Guido an den Diskussionen zwischen Willi Studer und dem Werkstudenten 'teilhaben', weshalb ihm -mit völlig anderen Arbeiten befasst (Erstellung einer Bauteillagerliste)- wohl bereits eine Lösungsidee vorschwebte, als das Zeitkorsett bis zur unmittelbar bevorstehenden Schweizerischen Fernseh- und Radioausstellung ("FERA") bedenklich eng geworden war. Dort aber wollte der Willi sein jüngstes Kind in praxi vorstellen.

Guidos aus dem Boden gestampfte 'Lösung' hatte aber bei D36 und E36 ein anderes Hf-Oszillator-Konzept zur Folge (Eintaktoszillator mit kanalweisen Trennverstärkern), der wegen der bekannten Probleme (geradzahlige Klirrprodukte) bei Studer aber kein langes Leben beschieden sein konnte. Dennoch, der Gegentakt-Hf-Oszillator kam erst wieder mit der F36 zurück. Mancher wird sich -wie ich- gefragt haben, "was da wohl los war"? Nun, der Willi war durch Konstruktionsprobleme überfordert und hatte Hilfe beim Guido (hinter der Holzwand) gesucht....

Auch bei der A77 gab es allerhand Zoff mit der Chefetage, der das komplette Gusschassis nur mit Tricks abzuringen war und das Klima zwischen Willi Studer und Guido Besimo (man duzte sich) zeitweilig erheblich belastete, weil Guido einer dezidierten Anweisung des Patrons 'einfach nicht gefolgt' war. Der Willi hatte verfügt, dass die Laufwerkstragplatte genauso anzulegen sei (kalt verformte Stahlblechplatte) wie bei der G36. Das aber wollte Guido Besimo nicht und nützte zur Durchsetzung seiner Unfolgsamkeit einen achttägigen Urlaub des Alten. Das traf sich damals zufällig gut, denn Willi Studer mochte speziell eines eigentlich nicht: Seinen Urlaub. Er war am liebsten 'da'. Nun aber war er für acht Tage aus dem Verkehr gezogen und Guido drehte 'sein Ding'; erfolg- und folgenreich. So kam dann also die A77 zu ihrem völlig freistehenden Gusschassis. Übrigens das erste Amateurbandgerät nach diesem Prinzip.

Leider lernte ich Arturo Stosberg, den Vater der Tonmotorelektronik der A77 nie mehr so gesund kennen, dass ich ihn nach der Herkunft seiner legendären Idee zur Tonmotorregelung eines (Quasi-)Netzspannungsinduktionsmotors in einer transistorisierten Niedergleichspannungselektronik (ohne Transientenstörungen!) hätte persönlich befragen können. Ich konnte die Herkunft, die ja dann bei A/B67 und A700 ff auch den Wickelmotoren spendiert wurde, aber über Kollegen (Eingangsteil mit Impüulskonditionierung stammte als abgekupferte Idee aus Kudelskis NagraIII) und eigene Recherchen (Diskriminator mit DC-Verstärker für den Motorsteuerausgang mit 'diesem 'merkwürdig' in Serie betriebenen Brückengleichrichter) erstmalig bei Eberhard Vollmer und Wolfgang Rank (Esslingen) entdecken. Stosberg perfektionierte das und sorgte infolge des Verzichts auf eine (wohl nach Lage der Dinge ohnehin erfolglose) Patentanmeldung dafür, dass das schlicht legendäre Verfahren in kürzester Zeit rund um die Welt wanderte.

Was Paul Zwicky in der Firma und in der Audioszene auslöste, ist Legion. Er war als Ideenschmiede für Studer über Jahre schlicht nicht zu entbehren, auch wenn er als Einzelgänger, "unbestechlicher Ingenieur und Berufsglarner" (so nenne ich ihn und wir lachen beide darüber) oft schwierig war. Er ließ sich nicht 'dreinreden', wenn er von einer Sache überzeugt war. Kompromisse gab es dann, wenn irgend möglich, nicht.

Streit gab's natürlich in dieser Individualistenfirma auch: Irgendwann gerieten sich Guido und Willi doch einmal heftig in die Haare, obgleich Willi Studer außerordentlich konfliktscheu war. Der Willi verschwand gewöhnlich wortlos, wenn es "Spitz auf Knopf" ging: Man war plötzlich allein. Eines Tage hatte es aber zwischen Besimo und Studer heftig gekracht und mit hochrotem Kopf schleuderte Guido dem Willi -dem Patron und Alleinbesitzer der Firma!- entgegen: "Ich mache das alles nicht wegen dir, sondern NUR wegen der Firma!"

Studer lebte zu einem großen Teil von der hochgradig individuellen Identifikation der Mitarbeiter mit der Firma, die mitunter sehr eigenartige Formen annehmen und durchaus von Nonsense bis zur Selbstaufgabe reichen konnte. Und zum Teil bis heute anhält, obgleich die Firma nicht mehr besteht. Hans Leonhardt, Marcel Siegenthaler, Ernst Mathys, Marino Ludwig waren/sind -nur als Beispiele für die vielen anderen in den verschiedensten Abteilungen- sehr eigene Köpfe mit sehr ausgeprägten Vorstellungen. Vom (auch) integrativen Klima "beim Schdud'r" lösen sie sich bis heute trotz teilweise sehr kritischer Anmerkungen "zur Firma" aber nicht.

Dies zu erleben, geht (zumindest mir) unter die Haut. Jean allerdings auch, denn wir treffen aus regelmäßiger mit den Altstuderanern in Zürich.
Besuche in Walter Stutzens Zürcher Museum kann ich deshalb nur jedem empfehlen, der kennen lernen möchte, was diese merkwürdige Firma einmal war und dabei nach 1950 unversehens, 'einfach so' begann, menschliche Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts zu schreiben.

Das musste ich jetzt auch 'mal wieder loswerden.

Hans-Joachim

Beitrag Donnerstag 18. Juli 2019, 08:56
wtegel Eroberer
Eroberer

Beiträge: 22
Wohnort: Ibbenbüren
Danke für den sehr interessanten Bericht, der interne Einblicke ermöglicht, die einem Außenstehenden ansonsten verwehrt wären.
Walter

Beitrag Donnerstag 18. Juli 2019, 12:29
PhonoMax Haudegen
Haudegen

Beiträge: 266
Wohnort: München
Lieber Walter,

vielen Dank für deinen anerkennnenden Satz.

Auch wenn solche zwangsläufig knappen 'Anekdotensammlungen', die oben sämtlich aus erster Hand stammen, immer off topic sind, sind sie es doch auch wieder nicht, denn sie beschreiben ja das Klima aus dem heraus auch im Falle Studers eine -durch ihre Kürze und Knappheit innerhalb von 50 Jahren eindrucksvolle Fertigungspalette entstehen konnte. Es wirken ja keine Maschinen 'hinter den Kulissen', sondern Menschen, deren Bedürfnisse und 'kulturelle Ausrichtungen' (so taucht das Schweizer basisdemokratische Denken immer wieder auf) auf einem beruflichen 'Mutterboden' neben endlosen Zufallreihen über die Ergebnisse ihres Tuns entscheiden. Es fällt im Leben eines Menschen ja nichts vom Himmel. Ein solcher Glaube geht grundsätzlich mit sachlicher Inkompetenz einher.

Pro und Contra sind für den von einer oder vielen Ideen beseelten Ingenieur oftmals von grausiger Hinderlichkeit (der ewig schweigsame Willi bremste am liebsten aus Sorge um seine Firma als 'Mantel' der Mitarbeiterkompetenz, ohne die er nichts war, was ihm erdrückend klar gewesen sein muss), aber unendlich wichtig, um Ideen und Entwicklungen auf stabilere Grundlagen zu stellen. Es darf halt weder zu schnell gehen, noch zu lange dauern, muss aber den Aufwand lohnen.
So war der in der Magnetbandtechnik und im Marketing gewiss sachkundige Baron Hornstein (UHER) exakt zur Zeit der Fertigungsvorbereitung der A77 aus München zu Besuch in Regensdorf und prophezeite der Mannschaft mit der Fertigung dieses Amateurtonbandgerätes "die alsbaldige, ganz große Pleite", also den Firmenkonkurs.
Wir wissen heute, dass es ganz anders, ganz anders kam, und am Ende gar Uher auch in Regensdorf 'offeriert', aber intern mit einem "Das tun wir uns nicht auch noch an!" abgelehnt wurde. Zu dieser Zeit hatte in München Hornstein längst selbst abgemustert.

Studer war eine Firma des konsequenten Dazulernens, aber auch eine solche mit Prinzipien, für die der jeweilige Protagonist durchaus aggressiv focht. Die jeweiligen Geräte reflektieren deshalb auch ihre -wohl einer Einstellungsidee des Willi folgend- auffällig häufig doppelt, ja mehrfach qualifizierten Väter: Sie sind "so wie ihre Geräte". Guido ist ein Mann wie die C37 oder die A77, ein -legendäres- Mischpult wie das 961 mit seiner Mutter 169 aus der intellektuellen wie handwerklichen 'Werkstatt' Paul Zwickys ist für alle Tage der Menschheit erkennbar mit Paul verbunden. Ohne ihn und seine Denkart bestünde es nicht.

Es gäbe sehr viel zu erzählen über oftmals kaum vorstellbare, menschliche Größe, aber auch bodenlose Kleinlichkeit, ja Dummheit in den Regensdorfer Häusern, in denen für viele und vieles Platz war. Übrigens auch für Auswanderer aus osteuropäischen Revolutionsländern wie Ungarn (1956) oder der Tschechoslowakei (1968), woher beispielsweise mit Lazlo Waagthaler (er hieß eigentlich etwas unschweizerischer) oder Petr Fiala schnell unverzichtbare Persönlichkeiten ins Glatttal kamen, die nicht nur in 'der Firma', sondern auch im Schweizer Denken jenes industriell ungeheuer produktiven Streifens zwischen Luzern und Basel auf ihre Weise leidenschaftlich aufgingen und so als Neuschweizer mitteleuropäische Kulturgeschichte schrieben. Beide starben in der 'neuen' Heimat, die wohl ihre ureigene geworden war.

Ach ja, die A77, die merkwürdig symbolisch exakt in der Mitte der Geschichte des analogen AM-Magnetofons (Beginn: 1940; Ende: 1992) entstand und zu einem denkwürdigen Zusammentreffen von Eduard Schüller und Guido Besimo auf der Funkausstellung in Berlin führte, als Guido 'seine' A77 im eigens angefertigten, um die Querachse drehbaren Plexigehäuse ("Da gab es ja nicht von außen, sondern auch von innen etwas zu sehen!") der Öffentlichkeit vorstellte, was den AEG-Altmeister Eduard Schüller höchlich verwunderte.

Die Elektronik der A77 entstand mehr als zwei Jahre vor dieser selbst (ich habe es handschriftlich und mündlich in einer höchstwertigen Gesprächsaufnahme von Guido) als Transistorisierung der G36 für die Firma Cedamel, Paris, nach Lage der Dinge 'de Ernscht-Klätt-Verlag, Schduddgaard fir dä Franzosä". Cedamel war/ist(?) ein Verlag für sprachwissenschaftliche Themen, der 'damals' eine Kopierstraße mit etwa einem Dutzend G36 für die hinreichend hochwertige Kopie von Sprachlehrkursen auf Magnetband unterhielt. Was das bei zwölf G36 (= 144 heißen Röhren wie ECC83) und Pariser Sommerklima in geschlossenen Räumen bedeutet, kann man sich lebhaft vorstellen, wenn man die G36 nach zwei Stunden Betriebs kennt. Da bricht der Sommer endgültig aus, auch ohne Klimawandel. Cedamel lag also den Regensdorfern in den Ohren, doch eine Transistorisierung der G36 voranzutreiben.

Das geschah schließlich auch in gemeinsamer(!; Guido erzählte das so) Arbeit, so dass am Ende eine G36 mit transistorisierter (Audio-)Elektronik, aber eben noch ohne Stosbergs Tonmotorelektronik existierte und der nicht-transistorverständige Willi ("Ab 1970 konnte er uns Ingenieuren nicht mehr folgen!", sagte Paul zu mir), einmal nicht bremsend bekennen konnte: "Jetzt haben wir die Elektronik, jetzt können wir auch das Gerät (also die A77) bauen." Und so geschah das. Nach nur einem Jahr war die Fertigungsvorbereitung vollständig abgeschlossen und die Markteinführung konnte erfolgen. "So schnell haben wir das nie mehr wieder geschafft, bei keinem Gerät; auch bei der B77 nicht!", sagte Guidos Frau Margrit Meyer vom Studer-Verkauf zu mir.

Ein letztes: Eine G36 diente selbst noch bei der Erstellung der prozessorgesteuerten Laufwerkselektronik für die B77 (im Ingenieurswettbewerb!) als Versuchsmuster. Dies 'Original' existiert in Walter Stutzens Zürcher Sammlung, wo sie -im klingenden Betrieb- erlebt werden kann.

Der von mir in langen Gesprächen mit meiner Sicht auf die Lebensleistung konfrontierte und gewiss jedem 'unvernünftigen Romantizismus' abholde Paul Zwicky antwortete auf meine Frage, ob ihn das anrühre, wenn er fünfzig Jahre post festum auf sein damaliges Denken und Handeln intensiv angesprochen werde, mit der ihm eigenen Kompromisslosigkeit: "Ja, das rührt einen an."
Der als Mensch etwas anders angelegte Guido sprach in vergleichbarer Umgebung sogar von "Demut".
Da wird man dann still.

Hier müssen wir nun endlich akzeptieren, dass wir in Foren wie diesem nicht nur über "Kisten", "Gurken" (mein flapsiges Wort) oder Industrieprodukte sprechen, sondern über Mitmenschen, denen die Geburtshilfe für ihre industriellen Kinder oft über Jahrzehnte Lebensinhalt war, mittlerweile aber weitgehend 'verpufft' ist. Was blieb?

Unter den uns heute fast ausschließlich geläufigen "Bedienungsoberflächen" versumpft allzu vieles allzu leicht. Auch unsere Kompetenz als Mensch.

Hans-Joachim

am 75. Todestage Walter Webers (1907-1944)

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