B215 macht nicht was es soll

Fragen und Antworten zur Technik bei ReVox Geräten...

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Johannes99
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B215 macht nicht was es soll

Beitrag von Johannes99 »

Guten Morgen liebe Gemeinde,
ich habe mich ganz frisch hier angemeldet, da ich vor kurzem an einen defekten B225 gekommen bind und gestern an einen B215.
Das Design und die Verarbeitung haben mich einfach gepackt.
Den B255 konnte ich mit einem Kondensatorwechsel, einer gründlichen Reinigung und Schmierung der Mechanik wieder zum Laufen bringen.

Mit dem B215 scheint es schwieriger zu sein. Der Vorbesitzer hat teilweise die Kondensatoren tauschen lassen. Die Elkos wurden auf der System-Control und der Capstan Platine vollständig und auf der Dolby Platine teilweise getauscht. Angeblich lief das Deck danach etwa noch 5 Stunden bis es sich verabschiedete.

Bei mir angekommen, habe ich es erst einmal angeschlossen und ohne, dass ich etwas drückte fingen beide Capstan Motoren sich an zu drehen und der Tonkopf wurde angezogen.
Außerdem zeigte das Display mit sehr schlechtem Kontrast alle Zeichen an.
Nach der eindrucksvollen Begrüßung habe ich den Revox direkt vom Netz genommen. Die Lötstellen habe ich als erstes inspiziert und was soll ich sagen? Das hätte besser jemand mit mehr Erfahrung löten sollen - die Hälfte der Lötpads sind angehoben oder abgerissen. Trotzdem wurden alle Stellen so gebrückt, dass Kontakt da ist. Ganz böse Lötstellen habe ich mal nach gelötet und sauber gemacht, aber das Brachte auch keine Veränderung. Auf Tastatureingaben reagiert das Gerät auch nicht.
Die ganzen Spannungen sind auch da und auf dem Oszi konnte ich keine Welligkeit feststellen. Die einzige Spannung, die etwas aus der Reihe tanzt ist die +22V mit etwa 26V.

Jetzt zu dem Problem was mir wirklich sorgen macht:

Der ADP-Prozessor (IC5) der mit dem Quarz verbunden ist und den Systemtakt erzeugen soll, wird relativ warm. Relativ warm heißt, dass er sehr warm ist und mir schon fast heiß vorkommt.
Leider wird der Systemtakt auch nicht richtig erzeugt, wenn ich das richtig gemessen habe. Statt 6MHz messe ich nur etwa 3,3MHz mit 1mV pp (gemessen an Pin 15 der beiden anderen Prozessoren)

Wenn ich IC5 ausstecke, bleibt exakt das selbe Fehlerbild. Manchmal springen sogar die Wickelmotoren an.
Ohne alle drei Prozessoren, gibt es immer noch keine Veränderung.


Kann es sein, dass wirklich IC5 defekt ist, oder soll ich lieber überprüfen, warum sich das Laufwerk ohne Anweisungen selbstständig macht?



Jetzt noch mal kurz was zu mir:
20 Jahre alt, studiere technische Informatik, wohne bei Wetzlar in mittel Hessen, betreibe Hobbyelektronik richtig intensiv schon seit 5 Jahren, den Lötkolben habe ich in der Hand seit dem ich denken kann.
Wenn ich nicht an hirnrissigen Elektronikideen bastel, rapariere ich am liebsten alte Hifi Geräte.

Gruß Johannes

Harald123
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Re: B215 macht nicht was es soll

Beitrag von Harald123 »

Hallo Johannes,

also, dass die Capstan Motoren laufen sobald das Relais angezogen hat ist normal,
die laufen immer sobald die +15V eingeschaltet sind.
Die Motoren können auch nicht von den Microprozessoren abgeschaltet werden, außer durch
Abschalten des Relais durch IC5, dann ist das Gerät im Standby Mode.

Zum Oszillator:
1mVpp an den Pins 15 der beiden anderen Prozessoren IC8 und IC9 ist definitiv zu wenig, da sollten
ca. 4Vpp anliegen, da das in IC5 generierte Oszillator-Signal ja noch durch Q5 gepuffert wird bevor
es an IC8 und IC9 weitergeleitet wird.
Wie sieht denn das Oszillator Signal an Pin 16 von IC 5 aus ?

Nachtrag :
Wenn der Prozessor so heiß wird, daß man sich die Finger verbrennt ist er wahrscheinlich
tatsächlich defekt.
Zu normalen Zeiten wäre es kein Problem Dir vor Ort zu helfen, da ich in der Nähe von Gießen
wohne, aber jetzt mit Kontaktverbot geht das leider nicht.

mit freundlichen Grüßen

Harald

Johannes99
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Re: B215 macht nicht was es soll

Beitrag von Johannes99 »

Harald123 hat geschrieben:Hallo Johannes,

also, dass die Capstan Motoren laufen sobald das Relais angezogen hat ist normal,
die laufen immer sobald die +15V eingeschaltet sind.
Die Motoren können auch nicht von den Microprozessoren abgeschaltet werden, außer durch
Abschalten des Relais durch IC5, dann ist das Gerät im Standby Mode.

Zum Oszillator:
1mVpp an den Pins 15 der beiden anderen Prozessoren IC8 und IC9 ist definitiv zu wenig, da sollten
ca. 4Vpp anliegen, da das in IC5 generierte Oszillator-Signal ja noch durch Q5 gepuffert wird bevor
es an IC8 und IC9 weitergeleitet wird.
Wie sieht denn das Oszillator Signal an Pin 16 von IC 5 aus ?

Nachtrag :
Wenn der Prozessor so heiß wird, daß man sich die Finger verbrennt ist er wahrscheinlich
tatsächlich defekt.
Zu normalen Zeiten wäre es kein Problem Dir vor Ort zu helfen, da ich in der Nähe von Gießen
wohne, aber jetzt mit Kontaktverbot geht das leider nicht.

mit freundlichen Grüßen

Harald
Hi Harald,
vielen Dank für deine Antwort. Ich habe schon an Pin 16 gemessen und meine, dass da fast gar kein Signal war. Ich werde das die Woche aber noch mal überprüfen.
Die Reparatur drängt bei mir nicht unbedingt und es wäre echt cool, wenn wir uns nach Corona Treffen könnten.

Ich habe auch in der Zwischenzeit bei Revox VS nach IC5 oder der ganzen Platine gefragt und den Fehler beschrieben. Mir wurde aber nur gesagt, dass die keine ganzen Platinen mehr haben und warscheinlich mehr kaputt ist. Alle Kondensatoren tauschen usw. Naja, eher so eine standart Antwort. Ich werde da mal anrufen, aber ich fürchte, dass ich mir den Revox Service nicht leisten kann.

Gruß
Johannes

Johannes99
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Re: B215 macht nicht was es soll

Beitrag von Johannes99 »

Servus,
Ich habe mich letztes Wochenende noch mal an das Revox gesetzt und mal gemessen was die MCUs so an Strom ziehen. Natürlich nicht die genauste und beste Methode diese auszubauen und dann mit 5V (natürlich Strombegrenzt) zu Testen. Der Verdächtige IC5 hat ganze 300mA haben wollen und wurde auch genau so warm. Die anderen zwei gerade mal 1/10 :lol:
Damit war ich mir schon mal sicher und habe angefangen mich nach Spendergeräten umzusehen. teuer, teuer....
Bei Revox VS hatte ich mehr glück. Die hatten den programmierten Prozessor noch auf Lager und mit Versand lag ich unter 40€ :!: Der Totale Wahnsinn :lol:
Ich wette, dass ab hier mit einem Nakamichi schluss gewesen wäre. Bestimmt 30 Jahre müssen die das Teil schon auf Lager haben. Ich bin einfach nur baff, dass man noch teile für ein sehr fairen Preis bekommen kann.
Natürlich lief das Gerät direkt wieder normal mit dem neuen Prozessor. Dennoch werden auf der System Control Platine alle Spannungsregler getauscht und im Gerät selbst natürlich alle Kondensatoren. Einen Grund für das Ableben habe ich leider noch nicht gefunden und kann nur hoffen, dass Vorbesitzer das war und nicht eine Versorgungsspannung die mal lust hat an die Decke zu springen. Ich habe mir auch gleich die Teile für die Bias Platine mitbestellt. Was noch komisch ist, ist dass der Kopfhörerausgang extrem leise ist und sich auch nicht weiter hoch regeln lässt. Mal sehen, vielleicht sind einfach nur die Kondensatoren dort schwach geworden.

Gruß
Johannes

Hier noch Bilder von dem neuen alten IC und der Lötkunst des Vorbesitzers:
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Johannes99
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Re: B215 macht nicht was es soll

Beitrag von Johannes99 »

Achso, eine Frage noch:
Ich habe mir ebenfalls neue Potentiometer (geschlossene von Piher) mitbestellt. Da ich nicht alles selbst einmessen kann, war jetzt der Plan, dass ich erst mal die alte Einstellung bewahre, indem ich die alten Potis nach und nach ausbaue, durchmesse und dann die neuen, entsprechend eingestellt, einbaue.
Das dürfte doch keine schlechte Idee sein, oder soll ich lieber die Finger von den Teilen lassen?

Johannes99
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Re: B215 macht nicht was es soll

Beitrag von Johannes99 »

Guten Tag,
nachdem ich mir heute nach einer Radtour und Grillen im Garten endlich einen Sonnenbrand geholt hatte, ging es in den Keller :lol: .
Ich habe alle Kondensatoren, die der Vorbesitzer eingebaut hat entweder direkt getauscht oder neu verlötet. Je nachdem musste ich wegen den fehlenden Lötaugen etwas flicken.
Die restlichen Kondensatoren wurden gegen Panasonic FC getauscht. Nachdem alles Zusammen gebaut wurde, habe ich alles getestet, aber weder über Kopfhörer noch über line out ein Signal bekommen, nur Rauschen.
Nach 20 Minuten verzweifelter Sucherei nach dem Fehler musste ich etwas schmunzeln. Der Tonkopf war nicht eingesteckt und das Kabel hatte sich unter der Platine versteckt :lol: Der Klassiker. Das ist mir letztens schon mal bei dem Löschkopf von einem Dual 844 passiert

So auf jeden Fall läuft jetzt fast alles. Auch die Aufnahme klingt verdammt gut.
Gestern Abend hatte ich auch mal wieder Bock eine Platine zu ätzen und habe die Schaltung für sie Biasjustage umgesetzt. Mal sehen wie ich das mit meinen vorhandenen Geräten einstellen werde. Die Potis werde ich auch noch tauschen. Das habe ich noch nicht gemacht, weil ich zu blöd war alle Werte zu bestellen.

Das Problem mit dem nicht funktionierenden Kopfhörerausgang besteht immer noch. An dem Relai auf der IO Platine kommt auch keine Spannung an. Die Transistoren davor muss ich noch Prüfen. Das Signal wird aber bis dorthin verstärkt und lässt sich in der Lautstärke regeln.

Apropos Lautstärkeregelung:
Ich war einfach nur baff so etwas mal "diskret" aufgebaut zu sehen. Mit einem digitalen Schalterarray werden nach und nach Widerstände zum Kopfhörerausgang geschaltet. Einfach der Wahnsinn wie viel Entwicklungsaufwand im Revox steckt. Ein einfacher Poti mit Motor war den Entwicklern wohl zu langweilig (was wohl damals billiger war?)

Gruß Johannes

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