Tonband aussteuern

Hier ist Platz für allgemeine technische Fragen die sich nicht speziell mit STUDER, ReVox oder anderen Firmen beschäftigen.

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Phact
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Tonband aussteuern

Beitrag von Phact »

Hallo zusammen!

Ich bin seit kurzem stolzer Besitzer einer Studer A810. Diese wurde von Herrn Schleicher wieder zum Leben erweckt und revidiert. (Nochmals vielen Dank dafür!)

Ich bin neu im Gebiet der Bandmaschine (von normalem Konsum in meiner Jugend abgesehen) und stehe nun noch vor der Frage, wie ich die Aufnahmen aussteuern soll. Meine A810 besitzt VU-Meter (welche auf +6dBu eingemessen sind) und ich besitze ein RTW. Spiele ich nun einen Pegelton zu, zeigen beide (VU und RTW) 0db an. Soweit fein. Pegel ich nun Musik auf das RTW aus, zappelt das VU-Meter im -10, eher -20db Bereich umher. Soll das so sein???
Pegel ich eher auf das VU-Meter ein (so, dass es nicht über die 0db (also +6dBu) erreicht) schießt es natürlich weit über die RTW-Skala hinaus. Es klingt immernoch gut.
Wie steuert Ihr Eure Aufnahmen aus?

Zur Info: Die Maschine ist auf SM911 und LPR 35 eingemessen. Die Tests waren mit einem SM911 Band (15 IPS). Ich würde jedoch hauptsächlich die LPR 35 (15 IPS) benutzen (einfach wegen der höheren Laufzeit).
Zuletzt geändert von Phact am Montag 27. Juli 2020, 11:11, insgesamt 1-mal geändert.
Grüße
Daniel
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Garuda
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Re: Tonband aussteuern

Beitrag von Garuda »

Hallo Daniel,

das kann eigentlich nicht sein, 0 dB auf dem RTW sind 1,55 V
Bei VU sind 0 + 6 dB 1,55 V.
Was für ein RTW hast Du?
Die Skala muss für analog so aussehen
RTW Front.JPG
Mit freundlichem Gruß aus dem Freistaat in der Nordsee

Jürgen
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cavemaen
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Re: Tonband aussteuern

Beitrag von cavemaen »

Es gibt unterschiedliche Normen, nach denen die Aussteuerung stattfinden kann. Dazu sollte man aber die Grundlagen kennen.

Dazu fand ich diese:

ANMERKUNG DER ADMINISTRATION

Schön und informativ Rudy! Leider musste ich die Bilder aus Urheberrechtsgründen löschen!
Lieber Rudy: Ich habe Dir schon 1000 Mal gesagt, dass das hier so nicht geht. Das ist jetzt auch dann endgültig die letzte Verwarnung meinerseits. Beim nächsten Mal sperre ich für Dich den Fileupload.
Tut mir wirklich Leid - aber ich habe es schon soooo oft gesagt!


@Phcat
Wenn Du Interesse an den Zeitungsausschnitten hast, dann lasse sie Dir bitte von Rudy per Email und damit privat schicken. Danke!
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Phact
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Re: Tonband aussteuern

Beitrag von Phact »

Hallo zusammen!

Danke erstmal für Eure Antworten.
Jürgen, alles, was Du schreibst, ist so richtig und auch bei mir so. Ein +6dBu 1kHz Pegelton (habe sogar ca. 1,55V gemessen mit 440Hz-Sinuston) lässt mein RTW (1115) und das VU-Meter der Studer 0 dB anzeigen. Schicke ich z.B. 9 dB weniger, werden sowohl beim RTW, als auch beim VU-Meter der Studer die -9dB angezeigt. Heißt, bei einem konstanten Pegelton wird alles richtig angezeigt.

Das VU-Meter der Studer ist per Jumper auf VU (und nicht Peak) gesetzt. Mir ist auch klar, dass ein VU-Meter bei dynamischen Pegeln (also z.B. Musik) träger reagiert und dadurch weniger als das RTW Peakmeter anzeigen wird. Mich wundert nur, dass das VU-Meter eben so weit unten "zappelt". Das hätte ich so nicht erwartet. (Aber ich hatte auch selten mit VU-Metern zu tun)

Heißt, Ihr vermutet hier schon einen Fehler?
Grüße
Daniel
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Garuda
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Re: Tonband aussteuern

Beitrag von Garuda »

Hallo Daniel,

sind Deine Quellgeräte an den Pegel der Studer angepasst?

Mit freundlichem Gruß aus dem Freistaat in der Nordsee

Jürgen
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Re: Tonband aussteuern

Beitrag von Phact »

Jürgen, also irgendwie verstehe ich Deine Frage nicht...

Wenn das RTW und das VU-Meter der Studer bei 1kHz Pegeltönen dasselbe anzeigen, was kann ich da noch falsch machen?
Ein 0db 440Hz Pegelton zeigte auf meinem Billig-Multimeter auch ca. die 1,55V zwischen "cold" und "hot" an.

Als Testquelle dient mir im Moment ein Raspberry Pi mit HiFiBerry DAC+ Pro XLR. Da kommt sogar noch mehr Dampf aus dem Ausgang. Aber ich kann den Ausgang ja regeln. Dieser steht nun auf 89/100 (Volumio) und dann sind ein 0db Sinuston auf dem RTW und VU-Meter der Studer beide auch bei 0db (also +6dBu, bzw. 1,55V).

Habe ich hier einen Denkfehler?
Zuletzt geändert von Phact am Sonntag 26. Juli 2020, 13:54, insgesamt 1-mal geändert.
Grüße
Daniel
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Re: Tonband aussteuern

Beitrag von Bricksounder »

Hallo Daniel,

ich vermute im ersten Ansatz keinen Fehler ?!?!
mal eine pragmatischen Vorschlag:
nimm doch mal ein dir bekanntes Musikstück mit fortlaufend gleichmäßigem Pegel (also irgend ein Pop-Song - keine Klassik)

1. erst nimmst Du eine halbe Minute so auf das die Zeiger "nie" über null ausschlagen - das sollte "ok" klingen
2. dann eine halbe Minute Zeiger bis max. + 3 als Anzeigewert der VU's das muß noch gut klingen
3. dann eine halbe Minute mit "noch etwas mehr Pegel - jetzt kommt das Band in die Sättigung ... es klingt wie durch einen Kompressor - gefühlt vlt. sogar noch besser als bei "2"
4. und nochmal etwas mehr Pegel - jetzt steigen die Verzerrungen so an das es nun nicht mehr gut klingt

damit solltest Du ein "Gefühl" für eine "gute" Aussteuerung bekommen - diese liegt irgendwo zwischen "2" und "3".
Du wählst damit auch "nach persönlichem Gusto!!!": zwischen technisch rein und fettem Sound .... oder wie der Techniker sagen würde zwischen Klirrarm und Band Übersteuert....

ich hoffe das hilft Dir, den grundsätzlich ist eine von Erich eingemessene Maschine erstmal als fehlerfrei einzustufen.

also mach mal und berichte bitte wieder

Nice WE Ralf
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Re: Tonband aussteuern

Beitrag von Phact »

Hallo Ralf,

danke schonmal für Deinen Vorschlag. Werde ich so einmal probieren. Dazu zwei Gedanken:

1. Ist der Pegel nicht auch vom Bandmaterial abhängig? Soweit ich weiss, sollte ein SM911 mehr Pegel verkraften als ein LPR 35.

2. Mein Geschmack wäre von meinem Gefühl her, dass mir die Dynamik erhalten bleibt. Also tatsächlich eher niedriger ausgesteuert (Da ich ein Dynamik-Freund bin). Daher kam ja meine Eingangsfrage auf.
Ich habe ja schonmal Testaufnahmen mit verschiedenen Pegeln erstellt. Hier habe ich auch schon mit ordentlichem VU-Meter Pegel aufgenommen. Es klingt tatsächlich ordentlich, trotz schon fehlender Spitzen (Band wieder eindigitalisiert). Ich nenne es einmal natürlicher, analoger Band-Limiter.
Grüße
Daniel
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Garuda
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Re: Tonband aussteuern

Beitrag von Garuda »

Hallo Daniel,

da ist ein Denkfehler in Deiner Rechnung, und zwar der Vorlauf des VUs
Es ist meiner Meinung unklug die VU Meter auf 1,55 V bei 0 dB einzustellen.
Ein VU ist Träge und bekommt schnelle Spitzen nicht mit, darum ja die 6 dB Vorlauf.
Wenn Du halbwegs vergleichbare Werte haben willst musst Du bei Deiner Einstellung ja auf - 6 dB Aussteuern.

Es gibt nur zwei Gesetzmäßigkeiten beim Aussteuern.
1. Wenn Du zu niedrig Aussteuerst dann rauscht es.
2. Wenn Du zu hoch Aussteuerst dann verzerrt es.
Alles andere ist kalter Kaffee.
Der Arbeitspunkt liegt meist bei 0 + 6 dB. Die + 6 dB sind Vorlauf und der Trägheit der VUs geschuldet.
Bei RTWs liegt der Arbeitspunkt genau bei 0 dB. Kurzzeitige Überschreitungen der + 6 dB (VU) bzw.
0 dB (RTW) sind das Salz in der Suppe :lol:

Alles was darüber hinausgeht, also bewusstes fahren in die Bandsättigung ist Klangtuning, also eine bewusste Veränderung der Aufnahme. Das hat durchaus eine Berechtigung, sollte aber nicht als die ideale Aufnahme bezeichnet werden :roll:

Das ist natürlich nur meine unmaßgebliche Meinung.

Mit freundlichem Gruß aus dem Freistaat in der Nordsee

Jürgen
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Re: Tonband aussteuern

Beitrag von Phact »

Hallo Jürgen,

danke für Deine Meinung! Das heißt, es ist durchaus Möglich, dass das VU-Meter bei mir bei -10dB bis -20dB zappelt?
Ich wurde gefragt, wie die VU-Meter eingestellt werden sollen. Diese waren wohl bei 0dB eingestellt, Standard sei eigentlich bei +6dB. Ich habe ihm dann gesagt, es solle es auf Standard einstellen.

Desweiteren lese ich heraus, dass es am Besten ist, sich auf das RTW danach zu beziehen. Und in meinem Fall (unverfälscht) die Spitzen auf die 0dB des RTWs einzupegeln.
Hierzu nochmal meine Frage zum Bandmaterial. Sollte hier nicht auch das Band unterschiedlich reagieren?

Vielen Dank schonmal an Alle, die sich hier einbringen und mir somit den Einstieg in die Bandmaschinen-Welt erleichtern und erklären! 👍
Zuletzt geändert von Phact am Montag 27. Juli 2020, 11:02, insgesamt 1-mal geändert.
Grüße
Daniel
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Re: Tonband aussteuern

Beitrag von Bricksounder »

Hmmm, das könnte ein etwas längerer Fred werden...
Garuda hat geschrieben: Samstag 25. Juli 2020, 21:09 Es gibt nur zwei Gesetzmäßigkeiten beim Aussteuern.
1. Wenn Du zu niedrig Aussteuerst dann rauscht es.
2. Wenn Du zu hoch Aussteuerst dann verzerrt es.
Jürgens Aussage Pkt.1 stimmt ....... Pkt.2 stimmt auch ....... und wenn wir digital aufnehmen stimmt das auch uneingeschränkt!

ABÄR
Ich würde gerne ergänzen: es gibt auch noch einen durchaus interessanten Bereich dazwischen nennen wir ihn mal 1.5
Ich muß jetzt manches ein wenig "populärwissenschaftlich" formulieren .... sonst wird das hier ein Buch :D :D :D

im Gegensatz zur Digitaltechnik gibt es eben beim analogen recording zwischen GO und NOGO keinen "harten Schnitt" also keinen klaren "0db = clipping Point".
und so erklärt sich auch Daniels Frage bezüglich der Bandarten:

Der linear Verlaufende Bereich "Eingangspegel = Ausgangspegel" wird mehr oder weniger langsam nicht mehr linear,
je mehr der Pegel in Richtung "Band wird gesättigt = alle Magnetpartikelchen sind mit maximaler Feldstärke polarisiert" geht.

Alllllmääählich !!! stellt sich ein sog. Kompressionseffekt ein (Eingangspegel nicht mehr so ganz Ausgangspegel) die Verzerrungen steigen auch allmählich (aber ähnlich wie bei Röhrenverstärkern werden Verzerrungen bis zu einem gewissen grad ja gern gehört).
Dieser Effekt ist zu aller Verkomplizierung auch noch NICHT frequezlinear.

Dieser Effekt ist in der nicht linearen Kurve der Magnetisierbarkeit von Eisen geschuldet ... mehr Erklärung dazu bitte im Netz.

So und jetzt zu Daniels Frage:
je dünner das Band, jeweniger Eisenpartikel, jeweniger die Partikel Magnetismus speichern können desdo weniger sind die oben beschriebenen Effekte nutzbar. Bei einem "dünnen" LPR35 ist der Bereich zwischen Pkt.1 und Pkt.2 sehr klein und die Aufnahme ist schnell: Zitat Jürgen "kalter Kaffee".

Bei einem SM911 mit mehr Magnetpartikel ist deutlich mehr Spielraum. Der Übergang von Pkt. 1 zu Pkt.2 wird weicher und kann zur soundgestaltung genutzt werden ... wir bekommen den "warmen Sound" welchen wir als nicht "digital" hören / empfinden. (und mit einer 807 ist das auch umsetzbar - Butterfly Heads prefered :D )

Der Toning. von James Last hat die Bandmaschinen mit 76 laufen lassen (Mehrspur) = mehr Partikel = mehr Rauschabstand und weicherer nutzbarer Übergang von Pkt.1 zu Pkt.2 (Ja, das ist jetzt sehr vereinfacht und kurz ausgedrückt!!!)

Das ist Steigerungsfähig: in der Endphase der Analogen Tonaufzeichnung war SM 900 und Halbzollband bei den "großen Tonmeistern" angesagt. SM900 nimmt nochmal mehr Feldstärke auf, und die doppelte Bandbreite heißt doppelt soviele Magnetpartikel .... jetzt wird der Übergang von Pkt.1 zu Pkt. 2 "quite soft". Mark Knopfler oder Paul Simon Graceland ... sind perfekte Beispiele für "das Magnetbandgerät ist nicht nur ein Aufzeichnungsgerät sondern es ist ein Soundprozessor".
Aber ganz wichtig: das müssen die Verstärkerbaugruppen und die Köpfe aber mitmachen können !!!!

bei Thomas (befreundeter Tonmeister in München) konnte ich vor 3 Jahren den Umbau einer Mehrspur-Studer auf 2Spuren und ein Zoll Köpfen bewundern .... an den Verstärkern wurde gerade noch getüftelt.
1Zoll 2Spur Kopf.JPG
Soundprozessor EXTREM.

so das muß für heute reichen ... sollte ja auch nur ein bischen Erklärversuch für Daniel werden ... ;-) ;-) ;-)
Daniel bleib dran ... das Thema ist spannend und gut hörbar.

Gute Nacht allerseits
Ralf
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Garuda
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Re: Tonband aussteuern

Beitrag von Garuda »

Hallo Ralf,

den Punkt 1.5 hatte ich als selbstverständlich vorausgesetzt.
Klar geht mit einem hoch aus steuerbaren Studio Band mehr.
Diese Studio Bänder sind oft für 15 IPS spezifiziert, was natürlich nicht heißen soll das es bei 7,5 IPS kein Vorteile gibt.

Mit den besten Grüßen aus der Nordsee

Jürgen
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Re: Tonband aussteuern

Beitrag von Alfred »

Hallo Daniel,

wenn ich den ganzen Beitrag verfolge und nochmals deinen ersten lese, fällt mir folgendes auf:
"Pegel ich eher auf das VU-Meter ein (so, dass es nicht über die 0db (also +6dBu) erreicht) schießt es natürlich weit über die RTW-Skala hinaus. Es klingt immernoch gut. Digitalisiere ich das Band ein, kann ich jedoch schon erkennen, wie mir Spitzen fehlen."
Hier liegt wohl das Problem darin, dass das Band die Pegelspitzen über 0 db verkraftet und sie auch wiedergibt, beim digitalisieren wird aber alles über 0dbu gnadenlos gekappt, daher fehlen dir dann die Spitzen. Ich denke sogar, dass die +6dbu für digitalisierung zu viel sein könnte.

Es liegt m.E. somit kein Fehler an den Geräten vor, sondern eher ein kleines Verständnis- und Umsetzungsproblem vor.

Gruß Alfred
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Re: Tonband aussteuern

Beitrag von Phact »

Hallo zusammen!

Nun habe ich etwas Zeit und werde die Vorschläge hier einmal langsam nacheinander in der Praxis durchgehen.

@Alfred
Ich kann Deine Vermutung der Übersteuerung des Eingangs beim Digitalisieren verstehen, diese kann ich jedoch definitiv ausschliessen!
Grüße
Daniel
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Re: Tonband aussteuern

Beitrag von Bricksounder »

Alfred hat geschrieben: Sonntag 26. Juli 2020, 10:58
Es liegt m.E. somit kein Fehler an den Geräten vor, sondern eher ein kleines Verständnis- und Umsetzungsproblem vor.

Gruß Alfred
... so scheint es mir auch ... und wenn ich nun zurückblicke ging es mir genauso ... ich habe ca. 2008 ebenfalls mit einer Studer A810 wieder angefangen, und es ist meine Lieblingsmaschine geblieben ... hat sie doch die gleiche Audioelektronik wie die großen Geschwister ...

und oft war ich schon dankbar :-) :-) :-) wenn mir einer von Euch ein "Mosaiksteinchen weiterer Erkenntniss" in den Garten warf...

und vielleicht kann ich an der ein oder anderen Stelle jetzt wieder etwas zurückgeben ?!?!? ("jetzt" weil jetzt wieder mehr Zeit zur Verfügung steht)

satten Sound vom Senkel wünsche ich Euch
Ralf
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Re: Tonband aussteuern

Beitrag von Phact »

So, erste Zusammenfassung:

Erstmals nochmals zu meiner Person und Equipment (vielleicht hilft das etwas):
Ich bin seit fast 20 Jahren in der Studio-/Veranstaltungsbranche tätig und mir ist somit das ganze Studioequipment nicht fremd. Soll nicht heißen, dass ich alles weiß!!! Ich habe damals im Audiobereich angefangen (Pro Tools hat gerade Einzug gehalten und somit habe ich das Tonband gerade verpasst) und bin kurz darauf aber in den Videobereich gewechselt.
Aus dieser alten Zeit ist mir nun die Studer A810 in die Hände gekommen. Da ich die letzten Jahre mich sehr mit der Schallplatte beschäftigt, kennen und lieben gelernt habe, dachte ich mir, ich gehe einmal zum nächsten analogen Gerät. Corona hat mir die Zeit gegeben mir ein schönes Rack aufzubauen und zu löten.
Im Moment relevant sind hier nun die Studer, ein RTW 1115, Furman PL-8E (Stromversorgung), Lake People SYM-AMP F12 (De- /Symmetrierer), ein Tiny-Telephon Steckfeld, sowie ein Steckfeld für Extern (zur Anlage, vom Raspberry Pi, etc.).
Die Studer war defekt und daher habe ich diese weg gegeben und sie wurde wieder zum Leben erweckt, revidiert und eingemessen hat.

Jetzt bin ich pleite! 😆


Ich habe mir von Herrn Schleicher ein SM911 mit +6dBu und 0dBu Sinuston bespielen lassen. Um Fehler bei mir im Rest der Kette zu erkennen.
Spiele ich den +6dBu 1kHz Sinuston ab, zeigt das VU-Meter der Studer und das RTW 0 an. Spiele ich die 0dBu ab, zeigen beide -6dB an. Soweit alles gut.
Da ich mich mit VU-Metern nicht auskenne, wundere ich mich, wie im ersten Post erwähnt, über den niedrigen VU-Ausschlag bei Musik. Gerade läuft z.B. AC/DC. Das RTW zeigt alles an wie erwartet. Spitzen bis 0dB. Das VU-Meter-Anzeige zappelt bei -18dB bis -8dB umher und kommst bis maximal -7dB.
Wie gesagt, ich kenne mich nicht mit VU-Metern aus und daher die Frage: Soll das so sein?


Und somit kommen wir zur eigentlichen Frage: Wie steuert Ihr Eure Aufnahmen aus?
Hier habe ich nun schon ein paar Informationen sammeln können. Erstens: So aussteuern, wie es gefällt. Der eine mag den Sound der Bandsättigung, andere vielleicht nicht. Soweit verstanden!


Nun zu Ralfs Vorschlag:

Mir gut bekannte komprimierte Pop-Musik. Da wird es schon schwieriger. 😁 Ich habe nun einmal "AC/DC - Highway to Hell" genommen. Ich habe nun viermal auf das Band aufgezeichnet (SM911, 15 IPS):
1. Auf RTW ausgepegelt (also Spitzen bei +6dBu)
2. Auf RTW ca. +5dB (also Spitzen bei ca. +11dBu)
3. RTW nicht mehr angeschlossen und auf VU Meter Anzeige 0dB ausgepegelt.
4. Nochmals angehoben und auf dem VU-Meter bis +3dB gepegelt.

Nun habe ich wieder eindigitalisiert. Am Anfang des Bandes ist ein Pegelton. Den Ausgang der Studer heruntergezogen bis die letzte Aufnahme ungefähr Spitzen bis -5dB am PC anzeigt.
(Ich habe hier nur eine normale Soundkarte. Nichts hochwertiges. Es geht mir hierbei ja auch nur um das anhören und -schauen der Aufnahme.)
Zur Info: der Pegelton am Anfang des Bandes ist nun um 16dB reduziert. Einen Fehler beim Eindigitalisieren schließe ich somit erst einmal aus.
Am PC normalisiere ich nun die einzelnen vier Teile auf -1dB. Ich höre hier keinen Unterschied (Nein, ich höre hier nicht über kleine PC-Tröten ab, sondern über Dynaudio Regalboxen). Man hört dafür schon im original den Kompressor. Vielleicht doch nicht die Beste Musik zum Testen???


Zweiter Versuch mit "Friday Night in San Francisco" (sehr dynamisch)
1. Auf RTW ausgepegelt (also Spitzen bei +6dBu)
2. Direkt zur letzten Position aus Test 1 (also nur die Record Level uncal Tasten gedrückt)
3. Record Level uncal Regler auf Anschlag!

Wieder alle Teile seperat auf -1dB normalisiert. Was soll ich sagen. Ich höre keinen Unterschied! Diese Aufnahme kommt durch die hohe Dynamik aber selbst auf Anschlag nur einmal knapp an die 0dB (auf dem VU).


Dritter Versuch mit "Epitaph" von King Crimson
1. Auf RTW ausgepegelt (also Spitzen bei +6dBu)
2. Record Level der Studer erhöht (ca. 3dB)
3. Record Level der Studer erhöht (Regler auf Anschlag)
3. nochmals den Ausgang des Raspberry Pis erhöht (Volumio 100/100)

Wieder alle Teile seperat auf -1dB normalisiert. Was soll ich sagen. Ich hörte zuerst keinen Unterschied! Jedoch läßt sich tatsächlich nun eine leichte Kompression feststellen. Aber mal im Ernst. Hier schlägt das VU-Meter schon über die Anzeige hörbar aus. Wer pegelt so??? Oder ist mein Gehör nicht geschult genug?
Epitaph einzeln normalisiert.JPG
Ich würde das aufgenommene File hier auch gerne an Euch weitergeben (z.B. WeTransfer). Es ist immer nur eine 1 minütige Sequenz. Jedoch weiß ich nicht, ob ich das hier darf???


Noch schnell etwas Weiteres. Ich habe nun testweise einmal die Jumper von VU auf Peak umgesteckt. Das macht bei mir keinen großen Unterschied.
Wenn ich einen auf VU und einen auf Peak stecke, kann man sehen, wie Peak schneller reagiert und einzelne Schläge nun anzeigt. Jedoch der Pegel ändert sich nicht besonders.

Vielen Dank, wenn Du bis hier hin gelesen hast! 🤣🤣🤣
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Zuletzt geändert von Phact am Montag 27. Juli 2020, 11:04, insgesamt 2-mal geändert.
Grüße
Daniel
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Re: Tonband aussteuern

Beitrag von Phact »

Garuda hat geschrieben: Samstag 25. Juli 2020, 21:09 Hallo Daniel,

da ist ein Denkfehler in Deiner Rechnung, und zwar der Vorlauf des VUs
Es ist meiner Meinung unklug die VU Meter auf 1,55 V bei 0 dB einzustellen.
Ein VU ist Träge und bekommt schnelle Spitzen nicht mit, darum ja die 6 dB Vorlauf.
Wenn Du halbwegs vergleichbare Werte haben willst musst Du bei Deiner Einstellung ja auf - 6 dB Aussteuern.
Hallo Jürgen,

mit dem Vorlauf eines VUs habe ich mich nun auch etwas eingelesen. Dein Einwand hier klingt plausibel.
Der Standard ist wohl, dass bei +6dBu (1,55V) die Anzeige bei 0dB steht. Ich frage mich dann, warum ist das Standard?
Was ich hier noch nicht gehört habe, ist, dass mein VU so zwar sinnfrei, jedoch generell richtig anzeigt.
Deiner Meinung nach müsste ich einen 0dB Pegelton (-6dBu, 775mV) auf dem VU-Meter auf 0dB einstellen, richtig? (so wie es vor der Revision war)
Zuletzt geändert von Phact am Montag 27. Juli 2020, 11:00, insgesamt 1-mal geändert.
Grüße
Daniel
Alfred
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Re: Tonband aussteuern

Beitrag von Alfred »

Hallo Daniel,

die Umschaltung auf PEAK ist auch nur für die schnellere Anzeige, sprich es zeigt kurze Impulse an die vorher nicht angezeigt wurden, mehr macht das nicht. Dein RTW hat zudem noch einen verzögerten Rücklauf, Abfall... die Anzeige bleibt also kurze Zeit stehen.....

Gruß Alfred
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Re: Tonband aussteuern

Beitrag von Garuda »

Deiner Meinung nach müsste ich einen 0dB Pegelton (-6dBu, 775mV) auf dem VU-Meter auf 0dB einstellen, richtig? (so wie es vor der Revision war und Herr Schleicher jedoch als nicht Standard erklärt hat)
Hallo Daniel,

genau so habe ich es bei meiner A80, B67 und meinen 2 A700ern gemacht. 0dB VU 0,775 V + 6 dB Vorlauf sind 1,55 V.
Und bei 1,55 V kommt die Peak LED.
So kommen recht ordentliche Aufnahmen zustande, meine RTWs laufen nur zur Kontrolle mit.

Mit freundlichem Gruß aus dem Freistaat in der Nordsee

Jürgen
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